Trend Automation (Teil 1): Die digitalen Trends der Trendmap Handwerk 2025
In diesem Artikel:
Erstmals auf der Internationalen Handwerksmesse 2019 vorgestellt, beleuchtet die Trendmap 2025 neue Trends und Wachstumsfelder der Branche. Diese zeigen Betrieben, in welche Richtung sich das Handwerk entwickelt – sowohl Herausforderungen als auch Chancen spielen dabei eine Rolle. Die Unternehmen erfahren, wie sie ihr Geschäft zukunftsfähig machen können. Neben den Clustern Engagement, Marketing und Networking umfasst die Trendmap den Bereich Automation. Im Folgenden bündeln wir die wichtigsten gegenwärtigen Entwicklungen des Themas „Software“ und zeigen, wie sie das Handwerk in den kommenden Jahren beeinflussen werden.
Remote Support
Remote Support ist angesichts der Notwendigkeit zu „Social Distancing“ ein Trend, der es ermöglicht, schnellen, flexiblen Service bereitzustellen. Per Videoanruf können Mitarbeiter mit Auftraggebern kommunizieren und sich Problemstellungen beschreiben lassen. Dabei setzt man Augmented-Reality-Elemente wie Zeichnungen und Symbole ein – wodurch die reale mit der virtuellen Realität verschmilzt. So können Kunden Handwerker:innen das betreffende Gerät live zeigen und diese übertragen ihr Fachwissen auf den Bildschirm der Kund:innen.
Bei Augmented-Reality-Anwendungen stehen Deinen Mitarbeitern:innen digitale Werkzeuge zur Verfügung. Mit diesen kann man Fotos und Videos kennzeichnen, um Handlungsanweisungen zu verdeutlichen. Für den Kunden könnte der Service nicht einfacher sein: Durch diese schrittweise Anleitung ist in vielen Fällen eine Reparatur, Wartung oder Instandhaltung gemeinsam mit dem Kund:innen möglich. Transport- und andere unnötige Kosten werden auf diese Weise vermieden, außerdem sparst Du viel Zeit.
Mixed Reality
Während Virtual Reality (VR) eine virtuelle Umgebung meint, in der Nutzer:innen interaktiv vorgehen können, bezeichnet Mixed Reality eine Technologie, die die physische und die virtuelle Wahrnehmung der Wirklichkeit miteinander verbinden. Virtual Reality wird schon heute eingesetzt, beispielsweise beim Design neuer Autos und komplexer Maschinen.
Mit Augmented-Reality-Angeboten werden im direkten Umfeld der Nutzer:innen digitale Zusatzinformationen – zum Beispiel Texte, Bilder oder Videos – nutzbar. Handwerker:innen könnten solche Zusatzinformationen bei der Bearbeitung von realen Objekten für sich nutzen, indem sie beispielsweise Erklärvideos zu einzelnen Bauteilen oder den nächsten Arbeitsschritt einblenden. Dies ist nicht nur für die Steigerung der Effektivität von Schulungen interessant, sondern hält auch einen echten Mehrwert für die Arbeit bei Kunden:innen bereit.
Blockchain
Blockchain, was ist das eigentlich? Diese Art von Software speichert Informationen transparent, unveränderlich und besonders sicher – so dass eine Vertrauensbasis und offene Kommunikation automatisch gegeben sind. Die Blockchain stellt den Beteiligten dezentral verschlüsselte Datensätze zur Verfügung. Neue Informationen werden stets in einem neuen Block gespeichert. „Smart Contracts“, die über einprogrammierte Regeln und Funktionen verfügen, machen Vermittler beziehungsweise Verwalter der Buchhaltung und Lieferkette obsolet.
Mit Smart Contracts könnte man die herkömmlichen Verträge ersetzen, die bei jedem Bauvorhaben geschlossen werden, und so Verzögerungen und Streitigkeiten vermeiden. Mit einer Blockchain können alle Projektbeteiligten ein automatisiertes Zahlungsmanagement nutzen, welches regelt, wer welche Leistung erbringen muss und wann Zahlungen fällig werden.
Mit Hilfe virtueller Baumodelle können neben Infos zu Materialien und Mengen auch die Kosten gespeichert und automatisierte Abrechnungsmodelle erstellt werden. Wenn Mitarbeiter auf der Baustelle eine Aufgabe abgeschlossen haben, können sie dies über ihr Smartphone noch vor Ort bestätigen und eine Zahlung auslösen. Diese muss dann nur noch von den anderen Teilnehmenden geprüft und bestätigt werden. Das Resultat ist ein einfacherer, transparenter Zahlungsverkehr, der Rechtsstreitigkeiten vermeidet.
Künstliche Intelligenz
Mit KI lässt sich intelligentes Verhalten automatisieren, außerdem ermöglicht sie die Kommunikation zwischen Maschinen sowie zwischen Menschen und Maschinen. Schon heute profitiert die Planung und Produktion enorm von Expertensystemen, die in der Lage sind, Prozessabläufe zu steuern und Fehler zu beseitigen. Ein erfolgreiches Beispiel ist das Computerprogramm „Watson“ des IT- und Beratungsunternehmens IBM, das für die Fehlersuche in technischen Systemen und in der Medizin Anwendung findet.
Auch die Angebotserstellung kann durch KI vereinfacht werden. Hierfür bedient sich der Bereich Predictive Analytics der Analyse großer Datenmengen und leitet daraus Vorhersagen und die Planung von Mitarbeiter:innen, Maschinen und Materialien ab. Auch Angebote werden vollautomatisch erstellt und man hat die Möglichkeit, die Profitabilität eines Auftrags genau zu berechnen. Ein weitere Einsatzmöglichkeit von KI im Handwerk ist die Fernwartung von Maschinen – nicht durch Menschen, sondern durch Maschinen.
Zero User Interface
Experten sind sich sicher, dass Systeme mit Sprachsteuerung in Zukunft bedeutsamer sein werden als Smartphone und Co. Zwar werden Texteingabe und Touchscreens nicht vollkommen verschwinden – doch Sprachschnittstellen, Gesichtserkennung und Gestensteuerung stellen den zukünftigen Zugang zur digitalen Welt dar.
Potenziale birgt der Trend vor allem für das Elektrohandwerk. Schließlich gibt es schon heute intelligente Häuser, in denen Geräte, Türen, Fenster und Jalousien automatisiert und miteinander vernetzt sind. Insbesondere die Bereiche Gebäudetechnik, Wohnkomfort, Sicherheit und Energieeffizienz bieten hier aber noch weitere Möglichkeiten. Neueste Entwicklungen sind beispielsweise die Gesichtserkennung der Video-Türklingel via Smartphone, Tablet oder Fernsehgerät. Die Daten können in der Cloud gespeichert werden – so dass das System Gesichter noch schneller erkennt und stets weiß, wer vor der Tür steht.
In der Mache sind zudem bereits Geräte, die sich dank Radarchips räumlich, also über Gesten, bedienen lassen. Fahrzeughersteller wie BMW sind dem Trend auf der Spur: So kann man in einigen Autos des Herstellers das Infotainmentsystem mit Tippen, Wischen und Kreisen bedienen.
Touchless Technology
Seit öffentlich genutzte Oberflächen wie Bildschirme, Metallgeländer und Plastiksitze eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit darstellen, hat auch die Touchless-Technologie Fahrt aufgenommen. Touchscreens, die vor wenigen Jahren noch voll im Trend waren und ermöglichten, Geräte per Fingerdruck zu steuern, werden heutzutage häufig als unhygienisch empfunden. Die Zukunft gehört der Touchless Technology. Stattdessen geht der Trend dahin, mit der eigenen physischen Präsenz, Sprache oder Gesten mit Maschinen zu kommunizieren. So werden immer mehr Heizungen, Türen, Seifenspender oder Toilettenspülungen über Sensoren gesteuert. Sprachsteuerungen wie Alexa und Siri ermöglichen die berührungslose Steuerung intelligent vernetzter Smart-Home-Geräte.
Für den Innenausbau sowie die Elektro- und Sanitärtechnik entsteht hier ein neuer Markt. Besonders ergiebig ist auch die Möglichkeit der Touchless-Technologien, sich mit KI zu vernetzen und dadurch beispielsweise Gesichter mit Identitätsdaten abzugleichen. Die Protokollierung und Rückverfolgbarkeit, das Überprüfen von Zugangsberechtigungen und damit die Sicherheit ist mit Hilfe berührungsloser Technologien kein Problem.
Fazit
Ob multimediale Lernprogramme, mobile Endgeräte oder Videokonferenzen – die Digitalisierung ist im deutschen Handwerk angekommen. Zwar sind Zukunftsthemen wie Blockchain, Künstliche Intelligenz und Robotik für viele KMUs zurzeit noch zu teuer beziehungsweise sparen zu wenig Zeit. Als Handwerksunternehmer:in lohnt es sich aber dennoch, sich mit Hilfe der Trendmap 2025 mit den Trends auseinanderzusetzen und den eigenen Betrieb zukunftsfähig zu machen. Mit dem Ausbreiten der Automation im Handwerk ergeben sich zahlreiche Potenziale auch für kleinere Unternehmen.
Trend „Networking“ (Teil 2) in der Trendmap Handwerk 2025
In diesem Artikel:
- Die Kosten erfolgreich minimieren – das Cost-Cutting
- Vom Modell des Co-Working Spaces profitieren
- Die Optimierung von Bauprozessen – das Building Information Modeling (BIM)
- Die Unternehmenskultur als Wettbewerbsvorteil – der Ansatz agiler Teams
- Gemeinsame Werte als Erfolgsbasis nutzen – der Cultural Fit
- Das New Normal erfolgreich gestalten – der Trend der Distance Disco
Seit 2019 informiert die – von dem Trendforscher Peter Wippermann – initiierte „Trendmap Handwerk 2025“ Akteure aus der Handwerksbranche über wegweisende Entwicklungen in der Zukunft. Das Format bietet Handwerksbetrieben somit eine wichtige Orientierungshilfe, um frühzeitig neue Wachstumspotenziale identifizieren und umsetzen zu können. Neben den drei großen Themenclustern Automation, Engagement und Marketing rückt die Trendmap 2025 hierbei ebenso unterschiedliche Aspekte rund um den Trend „Networking“ in den Mittelpunkt. Dieser Trend beschäftigt sich unter anderem mit der Rolle von Netzwerken in relevanten Zusammenhängen wie dem Cost-Cutting oder dem Building Information Modeling (BIM). Anknüpfend daran stellt der folgende Beitrag einen ersten Überblick zu den zentralen Networking-Trends in der Handwerksbranche bereit.
Die Kosten erfolgreich minimieren – das Cost-Cutting
Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen der Corona-Pandemie haben bei vielen Handwerksunternehmen zu erheblichen Umsatzrückgängen geführt. Für betroffene Betriebe ist es deshalb von entscheidender Bedeutung, die neue Finanzlage eingehend zu analysieren und die eigene Liquidität langfristig zu sichern. Nicht nur sollte hierzu der offene und direkte Dialog mit Lieferanten, Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Kunden gesucht werden. Sondern im selben Moment lohnt es sich, entsprechende Hilfsmaßnahmen von staatlicher Seite – wie etwa die Förderung von Homeoffice-Arbeitsplätzen – zu prüfen.
Als weiterer Faktor lässt sich darüber hinaus zugleich die gezielte Neuorganisation der bestehenden Arbeitsstrukturen und -abläufe anführen. Denn gerade die fortschreitende Digitalisierung bietet vielen Handwerksunternehmen die besondere Möglichkeit, auf relativ unkomplizierte Weise die eigenen Betriebsprozesse zu optimieren sowie zusätzliche Märkte und Kundenkreise zu erschließen.
Vom Modell des Co-Working Spaces profitieren
Klassischerweise haben sich „Co-Working Spaces“ in den vergangenen Jahren vor allem als gewinnbringendes Umfeld für Jungunternehmer:innen und Freiberufler:innen etabliert, da sich in diesen die vorhandene Infrastruktur gemeinsam und somit kostensparend nutzen lässt. Doch neben diesem ökonomischen Vorteil zeichnen sich Co-Working Spaces aufgrund ihres kooperativen Charakters ebenso durch ein äußerst hohes Innovationspotenzial aus, welches regelmäßig zu neuartigen Produktlösungen führt.
Diese besonderen Eigenschaften lassen das Modell des Co-Working Spaces nicht zuletzt zu einer spannenden und zukunftsweisenden Option für Handwerksunternehmen werden. Denn Handwerker:innen und Handwerksbetriebe können nicht nur in etwaigen Co-Working Werkstätten für ihre Projekte flexibel Technologien und Maschinen nutzen, deren Anschaffungskosten ansonsten das vorhandene Budget übersteigen würden. Sondern im selben Moment besteht für Handwerksunternehmen zudem die Möglichkeit, durch das gezielte Teilen eigener Betriebsstrukturen von neuen Arbeitsansätzen zu profitieren und zusätzliche Einnahmen durch die Vermietung zu generieren.\
Die Optimierung von Bauprozessen – das Building Information Modeling (BIM)
Aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten hat sich das „Building Information Modeling“ (BIM) in den letzten Jahren als fester Bestandteil in jeder zeitgemäßen Bauplanung etabliert. Das BIM entspricht hierbei einer kooperativen Datenbasis, die ein detailliertes dreidimensionales Modell eines bestimmten Gebäudes im digitalen Raum ermöglicht. Somit kann die Technik sowohl flexibel zur Planung von Bauwerken wie auch zur Steuerung von Bauprozessen und der Bewirtschaftung von Gebäuden genutzt werden.
Da das BIM darüber hinaus einen stets aktuellen und vernetzten Datenabgleich zwischen den Projektpartnern und etwaigen Behörden erlaubt, trägt es wesentlich zur Optimierung des Zeit- und Kostenaufwands bei. In Anbetracht dieser grundlegenden Vorteile ist es kaum verwunderlich, dass – neben zahlreichen anderen europäischen Ländern – auch Deutschland zukünftig verstärkt auf einen verbindlichen Einsatz des BIM bei Bauvorhaben setzt. Handwerksbetriebe sollten sich deshalb bereits jetzt mit den Anwendungsbereichen des BIM vertraut machen sowie entsprechende Qualifikationsmaßnahmen einplanen.
Die Unternehmenskultur als Wettbewerbsvorteil – der Ansatz agiler Teams
Der sich vollziehende Strukturwandel weg von der klassischen Industriekultur und hin zu einer Netzgesellschaft macht sich auch bei Handwerksbetrieben auf unterschiedlichsten Ebenen bemerkbar. Denn nicht nur verändert dieser in wesentlicher Weise das Verhältnis zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden. Sondern zugleich wirkt er sich ebenso auf die interne Betriebskultur aus. So werden beispielsweise stark ausgeprägte Hierarchien und eng abgesteckte Verantwortungsbereiche von vielen Mitarbeiter:innen zunehmend als überholt wahrgenommen. Um diese übergreifende Entwicklung als positive Chance wahrnehmen zu können, empfiehlt es sich für Handwerksunternehmen deshalb, ihre Betriebskultur verstärkt an zeitgemäßen Methoden des Projektmanagements auszurichten.
Diese Methoden orientieren sich hierbei vorzugsweise am Einsatz agiler und projektbezogener Teams, die in fließenden Arbeitsprozessen und Feedbackschleifen gemeinsam an der Findung von Lösungsansätzen sowie an deren praktischer Umsetzung arbeiten. Neben dem aus der Softwareentwicklung stammenden Scrum-Verfahren zeigen sich in diesem Kontext ebenso die Methode des Design Thinkings und das Konzept der holokratischen Arbeitsorganisation als zentrale Orientierungspunkte.
Gemeinsame Werte als Erfolgsbasis nutzen – der Cultural Fit
Letztlich hängt der langfristige Erfolg eines jeden Unternehmens von der Gewinnung der richtigen Mitarbeiter:innen ab. Doch während Mitarbeiterentscheidungen traditionell vorwiegend anhand fachlicher Qualifikationen getroffen wurden, zeichnet sich zukünftig ebenso die gemeinsame Wertebasis als ein zentrales Auswahlkriterium ab. Diese gemeinsame Wertebasis kommt im Konzept des Cultural Fit zum Ausdruck, das letztlich auf eine größtmögliche Übereinstimmung zwischen Bewerber:in und Arbeitgeber:in hinsichtlich Arbeitsweise und Betriebskultur abzielt.
Gerade für die Gewinnung von hochqualifizierten Facharbeiter:innen und jungen Talenten übernimmt der Cultural Fit dabei zusehends eine wesentliche Rolle, da diese eine gemeinsame Wertebasis als grundlegendes und sinnstiftendes Kriterium bei der Auswahl des Arbeitsplatzes ansehen. Insofern empfiehlt es sich für Handwerksunternehmen, die Werte der eigenen Betriebskultur zukünftig noch deutlicher hervorzuheben und offen zu kommunizieren. Als wegweisend hierfür zeigt sich insbesondere der Einsatz digitaler Medien, durch welche potenziellen Bewerber:innen bereits vorab ein erstes Bild des eigenen Betriebs vermittelt werden kann.
Das New Normal erfolgreich gestalten – der Trend der Distance Disco
Bereits jetzt wird offensichtlich, dass viele Veränderungen, die sich aus der Corona-Pandemie ergeben haben, zu einem festen Bestandteil der zukünftigen Arbeitsrealität werden. Dies gilt vor allem für relevante Präventions- und Arbeitsschutzmaßnahmen – wie etwa die Einhaltung von Desinfektions- und Abstandsregeln -, welche für den täglichen Mitarbeiterschutz weiterhin wichtig sind. Doch im Zuge der verstärkten Automation von Arbeitsprozessen und der beschleunigten Digitalisierung von Arbeitsplätzen wirft die neue Normalität ebenso zahlreiche Fragen hinsichtlich der zukünftigen Arbeitsorganisation und Mitarbeiterführung auf.
Für Handwerksbetriebe gilt es deshalb nicht nur dauerhafte und sinnvolle Konzepte im Bereich des Gesundheitsschutzes zu entwickeln. Sondern im selben Moment sollte die zukünftige Gestaltung der Arbeitswelt frühzeitig adressiert werden, um die Betriebsabläufe auch unter den Bedingungen der neuen Normalität proaktiv und erfolgreich gestalten zu können.
Fazit
Die aufgeführten Punkte verdeutlichen, dass der zukünftige Erfolg von Handwerksunternehmen auf unterschiedlichsten Ebenen eng mit den Potenzialen des vernetzten Arbeitens verknüpft ist. Darum lohnt es sich für die Akteure der Handwerksbranche bereits heute, die besonderen Möglichkeiten dieses Trends umfassend zu erörtern und für die eigenen Ziele nutzbar zu machen. Weiterführende Informationen zu den zentralen Networking-Trends und ihren praktischen Anwendungsbereichen können hierbei unter anderem kostenlos auf der offiziellen Webseite der Trendmap 2025 eingesehen werden.
Die Vorteile für das Handwerk aus dem neuen Gebäudeenergiegesetz
In diesem Artikel:
- Handwerkern ist es künftig erlaubt Energieausweise für Nichtwohngebäude auszustellen
- Gestärkte Beratungsposition mit Hinweis auf Beratungspflicht
- Begünstigte Investitionen vergrößern die Chancen auf mehr Aufträge
- Ein nachhaltiges Zeichen als Vorteil für Deinen Betrieb
- Diese Erweiterungen des GEG kommen in Zukunft auf Dich zu
Ein beschwerlicher Weg geht für das „Gebäudeenergiegesetz“ (kurz GEG) zu Ende. Schon 2018 sollte es im Bundestag auf den Weg gebracht werden, doch erst am 1. November 2020 kam es zum Abschluss. Nun fasst es das Erneuerbare‐Energien‐Wärmegesetz (EEWärmeG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) zusammen. Mit welchem Zweck? Unter der Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit den möglichst sparsamen Einsatz von Energien, insbesondere erneuerbaren Energien, in Gebäuden zu regeln. Zudem soll damit die EU-Richtlinie zu den vereinbarten Klimaschutzzielen umgesetzt werden.
Kostenfreier PDF-Download: Digital ausfüllbare Materialverbrauchsliste

Handwerkern ist es künftig erlaubt Energieausweise für Nichtwohngebäude auszustellen
Der seit 2009 zur Pflicht gewordene Energieausweis soll es Laien ermöglichen, die Energieeffizienz eines Gebäudes auf einen Blick zu erfassen. Dieser kann auch von Handwerkern mit der Zusatzqualifikation des „Energieberaters“ erstellt werden – bisher allerdings nur bei Wohnhäusern. Mit dem neuen Gesetz wird diese Kompetenz auch auf Nichtwohngebäude ausgeweitet. Das stärkt die Rolle des Handwerks bei Bau- und Sanierungsarbeiten. Gerade Handwerker vereinen in ihrer mehrjährigen Ausbildung Theorie mit Praxis, was bei der Beratung unabdingbar ist. Das Stichwort Beratung führt zum nächsten wichtigen Punkt.
Gestärkte Beratungsposition mit Hinweis auf Beratungspflicht
Im Gebäudeenergiegesetz ist nämlich vorgesehen, dass Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern beraten lassen müssen: In Fällen von Berechnungen zur Energieeffizienz eines Gebäudes oder Planungen von energetischen Sanierungen. Handwerksunternehmen sollen Kunden, die derartige Aufträge geben, mit Abgabe ihres Angebots auf diese Beratungspflicht aufmerksam machen. Einzige Bedingung dabei, die Beratung gilt als Einzelleistung und ist kostenlos. Alles andere, wie genau beispielsweise diese Beratungspflicht ausfallen muss, ist bisher noch nicht festgelegt. Momentan arbeiten mehrere Branchenverbände an adäquaten vorgefertigten Umsetzungen für Betriebe.
Begünstigte Investitionen vergrößern die Chancen auf mehr Aufträge
Ein bedeutender Vorteil für Handwerksbetriebe kann durch die steigende Investitionsbereitschaft für energetische Techniken und Sanierungen entstehen. Denn die Anforderungen an die technische Umsetzung bleiben weitestgehend gleich und werden nicht umfassend verschärft. Daneben gibt es attraktive Fördermittel zu modernen Heizungen sowie Wärme- und Kältedämmungen wie zum Beispiel von der „KfW“. Oder die Möglichkeiten, gesparte Energie mit dem Primärenergieverbrauch zu verrechnen.
Das alles kann Dachdecker, SHK, Elektro und Bauunternehmen zu mehr Aufträgen verhelfen. Unterstrichen wird das durch die steigende Nachfrage nach „Mieterstrom“ wie einige Energieversorger feststellen. Denn nach dem neuen GEG können energieeffiziente Gebäude die Energiebilanzen von ganzen Gebäudekomplexen verbessern.
Ein nachhaltiges Zeichen als Vorteil für Deinen Betrieb
Weitergedacht ist die Umsetzung von energieeffizienter Wärme- und Kälteregelung ein nachhaltiges Zeichen in einer Gesellschaft, für die das Thema bei der „Kaufentscheidung“ zunehmend wichtiger wird. In vielen Bereichen der Branche kann mit Nachhaltigkeit im Handwerk gezielt geworben werden, um den Betrieb auch auf zukünftige Anforderungen auf dem Markt einzustellen. Das Handwerk ist schließlich ein wichtiger Teil in der Umsetzung von Nachhaltigkeit. Und das hat nicht nur mit Umweltbewusstsein zu tun, wie wir Dir im in einem weiterführenden Artikel zeigen.
Diese Erweiterungen des GEG kommen in Zukunft auf Dich zu
Bei den aktuellen Umsetzungen des GEG soll es in Zukunft allerdings nicht bleiben. Geht es nach dem Zentralverband des deutschen Handwerks (kurz ZDH), muss das Gesetz weiter vereinfacht werden, um noch übersichtlicher für Handwerksbetriebe zu werden.
Daneben soll bis 2026 eine Einschränkung von geplanten neuen oder sanierungsbedürftigen Heizsystemen mit fossilen Brennstoffen (z. B. Heizöl, Kohle) erwirkt werden.
Neu hinzu kommt außerdem eine befristete Innovationsklausel. Diese wird in Einzelfällen in zwei Hinsichten wichtig:
Zum Ersten wird es bis 2023 möglich sein, durch eine behördliche Befreiung die Anforderungen des GEG über ein auf die Begrenzung von Treibhausgasemissionen ausgerichtetes System und den zulässigen Jahres-Endenergiebedarf nachzuweisen. Aber nur, wenn eine Gleichwertigkeit der Anforderungen für die zuständige Behörde ersichtlich ist.
Zum Zweiten werden bis 2025 bei Änderungen von bestehenden Gebäuden die Einhaltung der GEG-Anforderungen über eine gemeinsame Bilanz im Gebäudekomplex sichergestellt – demnach eine Mehrheit an Gebäuden in unmittelbarer Nähe.
Wir halten Dich über Neuerungen zu diesem Thema auf dem Laufenden.











