Junge Meister leben und denken Handwerksberufe neu
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Der Meistertitel ist ein Qualitätsmerkmal im Handwerk, das Mitarbeiter und Führungskräfte auszeichnet. Jede neue Generation von Meistern im Handwerk bringt ein neues Verständnis für die Herausforderungen der Branche mit: Zum Beispiel der Digitalisierung, da junge Menschen in einer digitalen Welt aufgewachsen sind. Neue oder verbesserte Arbeitstechniken können so ihren Weg in die Arbeitswelt finden. Die Devise lautet: Traditionsberufe nicht nur neu denken, sondern auch leben. Erfolgreich sein und dabei Leute mit dem Handwerk begeistern. Die ZDF-Dokumentationsserie „37 Grad“ gibt deswegen jungen Meistern eine Bühne, die genau das auf interessante Weise umgesetzt haben.
Wir geben Dir einen kurzen Überblick, was junge Handwerksmeister anders machen und wo sie mit alten Rollenbildern brechen.
Die gläserne Metzgerei in Berlin.
In der Schule fiel Jörg Forstera durch schlechte Noten auf, woraufhin ihm ein Leben als Hartz-IV-Empfänger vorausgesagt wurde. Im Alter von 32 Jahren sieht das allerdings komplett anders aus. Der junge Handwerksmeister betreibt mit seiner gläsernen Metzgerei „Kumpel und Keule“ in der Markthalle 9 Berlins einen der größten Ausbildungsbetriebe der Stadt. Zudem konnte er in der Coronakrise sogar seinen Umsatz steigern. Möglich wird das durch komplette Transparenz bei der Arbeit, dem Augenmerk auf Tierwohl und schlauem Marketing – auch über Social Media. Damit überzeugt er auch jüngere Kunden bei ihm Fleisch zu kaufen. Dazu hat sein Betrieb mit 18 Mitarbeitern eine beachtliche Größe erreicht.
Wie sich eine Tischlerin gegen Vorurteile in einem männer- dominierten Beruf durchsetzt.
Johanna Röh erstellt als Tischlermeisterin Möbel nach Maß, neuen Ideen und individuellen Kundenwünschen her. 2018 gründete die 32-Jährige ihren eigenen Betrieb in der Ortschaft Alfhausen (Niedersachsen), in dem sie bereits einen Azubi beschäftigt. Als Tischlermeisterin und Handwerksunternehmerin setzt sie sich gegen typische Klischees von Frauen im Handwerk, Frauen seien für den Beruf nicht geschaffen, zur Wehr. Auch einige Auftraggeber würden noch immer nachhaken, ob sie sich die Projekte als Frau zutraue. Sie antwortet darauf unmissverständlich mit guter Arbeit.
Einige ihrer Vorzeigeprojekte aus der Dokumentation sind spezielle Ornamente für einen Whiskeyschrank sowie ein Abbild des Jakobswegs, welches sie in eine Schrankwand fräste und mit LED-Lampen ausleuchtete. Das ihr Konzept funktioniert, zeigt das gut gefüllte Auftragsbuch, auch in Zeiten von Corona.
Ein Hufschmied, der dem alten Beruf neues Leben einhaucht.
Hufschmied ist ein Knochenjob mit langer Tradition. Doch Georg Stinauer, aus dem bayrischen Ort Ebersberg, kann sich keinen anderen Beruf vorstellen. Für Stinauer sei jeder Tag wie Urlaub, weil ihm die Arbeit Spaß mache. Der 33-Jahre junge Handwerksmeister verfeinerte jahrelang sein Modell eines Hufeisens aus Metall und Kunststoff. Mit den Eisen bewegen sich die Pferde nicht nur leichter, sondern bekämpfen auch Rückenprobleme der Tiere. Seine individuell angefertigte Kunststoffkombination bringt demnach frischen Wind in das Schmiedehandwerk. Seine Modelle werden so gut angenommen, dass er sie über seine Website an Kollegen verkauft.
Dabei schaffen sie es auf der einen Seite Traditionen zu wahren und auf der anderen Seite mit einigen zu brechen, um das Handwerk weiterzuentwickeln, auf ihre ganze eigene Weise.
Was bedeutet das für das zukünftige Handwerk?
Vielfalt. Was allerdings alle hier vorgestellten Handwerksmeister eint, ist die Passion für die Arbeit mit den Händen, egal welche technischen Hilfsmittel noch zum Einsatz kommen. Es gibt ihnen Zufriedenheit etwas zu schaffen, was gebraucht wird. Dabei schaffen sie es auf der einen Seite Traditionen zu wahren und auf der anderen Seite mit einigen zu brechen, um das Handwerk weiterzuentwickeln, auf ihre ganze eigene Weise. Ganz nebenbei scheinen ihre Betriebe auch in der Coronakrise sicher zu sein. Keine Einbußen und sogar Umsatzsteigerungen bei der Metzgerei sind zu verzeichnen. Das zeigt, welches Potenzial in der Branche steckt. Könnten diese Berichte über junge Meister, die das Handwerk neu denken, nicht auch dazu beitragen, einige der über 50.000 freien Lehrstellen zu besetzen?
Du hast eine Meinung zum Thema, selbst einen ähnlichen Werdegang oder kennst jemanden mit einer Erfolgsgeschichte, die erwähnt werden sollte? Dann erzähl uns doch davon auf Facebook – egal ob in der Kommentarspalte oder per Nachricht.
Fehlt älteren Beschäftigten im Handwerk die Wertschätzung?
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Gerade ältere Handwerker bringen ungemein wichtiges Wissen und Erfahrung in den Arbeitsalltag eines Handwerksbetriebs. Daneben gibt es aktuelle Probleme wie den Fachkräftemangel im Handwerk. Eine viel genutzte Möglichkeit für Handwerksunternehmen diesem entgegenzuwirken, ist bestehende Mitarbeiter möglichst lange zu halten. Somit stehen ältere Handwerker genauso im Fokus wie der Nachwuchs an jüngeren Kollegen. Doch bekommen sie innerhalb des Betriebes auch dieselbe Wertschätzung? Das sollte eine von der „IKK Classic“ in Auftrag gegebene Studie klären. Das „Forsa-Institut“ befragte daraufhin im August 2020 500 Unternehmen aus der Branche sowie 524 Mitarbeiter zu ihrer Meinung.
Bei der Wertschätzung gehen die Meinungen auseinander.
… doch finden 31 % der Befragten Mitarbeiter, dass jüngere und ältere Kollegen nicht die gleiche Wertschätzung erfahren.
Die Antworten auf die Frage, ob jüngere und ältere Mitarbeiter in der Firma gleichermaßen wertgeschätzt werden, offenbaren gegensätzliche Eindrücke: Für 100 % der Arbeitgeber ist dies gegeben. Hingegen stimmen der Frage nur 66 % der Arbeitnehmer zu. Das ist zwar die Mehrheit, doch finden 31 % der Befragten Mitarbeiter, dass jüngere und ältere Kollegen nicht die gleiche Wertschätzung erfahren. In der Altersgruppe 50-69 fühlen sich 65 % gleich wertgeschätzt. In der Gruppe 40-49 nur 57 %. Die jüngsten im Alter von 18-39 stimmen mit 72 % am meisten zu. Das zeigt einen klaren Unterschied in der wahrgenommenen Wertschätzung von Jung und Alt, Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Nach Gewerken schneidet in Sachen Wertschätzung das Ausbaugewerbe mit 78 % und das Lebensmittelgewerbe mit 72 % am besten ab. Die wenigsten Arbeitnehmer nahmen gleiche Wertschätzung im Bauhauptgewerbe (62 %) sowie im gewerblichen Handwerk (53 %) wahr. Somit können Arbeitgeber wie Kollegen bei dem Themenschwerpunkt mit gezielten Maßnahmen und Verhalten gegensteuern. Das gilt auch für den nächsten Umfrage-Schwerpunkt.
Die wenigsten Arbeitnehmer nahmen gleiche Wertschätzung im Bauhauptgewerbe (62 %) sowie im gewerblichen Handwerk (53 %) wahr.
Altersgerechte Aufgaben und Arbeit sind ausbaufähig.
Hierbei geht es um die Frage, ob die Arbeitsaufgaben gegenüber älteren Mitarbeitern an Alter, Gesundheitszustand und Bedürfnissen angepasst bzw. so wahrgenommen werden. Auf Arbeitnehmerseite sagen 62 %, dass sie die Aufgaben im Arbeitsalltag an ältere Arbeiter anpassen. 25 % verneinen das. Auf der Arbeitnehmerseite nehmen nur 49 % altersgerechte Aufgaben wahr, wohingegen 42 % diese nicht als gegeben ansehen. Auch hier lassen sich größere Unterschiede zwischen Betriebsleiter und Mitarbeiter feststellen. Hier kann noch Verbesserungspotenzial ausgeschöpft werden.
Eine meistens gute Arbeitsatmosphäre und Aussichten nach der Rente.
Dafür wird das Arbeitsklima von beiden Seiten als weitestgehend angenehm empfunden. Arbeitgeber beantworten die Frage danach mit 46 % „Ja“ und 54 % „Meistens“. Auf der anderen Seite nehmen Arbeitnehmer die Atmosphäre mit 13 % immer gut und 69 % „meistens gut“ wahr. Hier nähern sich die Antworten beider Parteien an, was für ein insgesamt gutes Arbeitsklima im Handwerk steht. Dafür spricht auch die Feststellung, dass sich jeder 4. vorstellen könnte, nach dem Rentenalter wahrscheinlich beim Betrieb weiterzuarbeiten. Daneben lässt sich feststellen: Je größer das Unternehmen, desto weniger Bereitschaft ist dafür da.
Corona im Handwerk: 5 wichtige Lehren für Betriebe
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Seit März hat die Coronapandemie das gesellschaftliche Leben und die Arbeitswelt kurzerhand auf den Kopf gestellt: Was vorher undenkbar schien, ist plötzlich Normalität. Abstands- und Hygieneregelungen veränderten den Kontakt zu Kunden sowie das Miteinander im Betrieb – gerade, um Risikogruppen und die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Dazu kam der „Lockdown“, der viele Branchen wie das Handwerk, in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Doch welche Lehren können aus der ersten Krisenzeit gezogen und was muss in den kommenden Monaten beachtet werden, um gut durch die Pandemie zu kommen? Wir geben Dir fünf Anhaltspunkte.
1. Auf die eigene Liquidität sowie die Bonität der Kunden achten.
Die Coronakrise zieht nicht spurlos am Handwerk vorbei, was Auswirkungen auf Finanzen und Mitarbeiter im Handwerksbetrieb hat: Handwerksbetriebe sollten sich in Zeiten der Krise um ihre Liquidität kümmern. Um an finanzielle Mittel zu kommen, können zum Beispiel
Förderprogramme, Sofort- und Überbrückungshilfen genutzt werden.
Außerdem lohnt es sich nicht unbedingt notwendige Investitionen, wenn möglich, hinauszuschieben.
Daneben kann es sinnvoll sein in der nächsten Zeit auslaufende Verträge oder langfristig angelegte Kredite zu verlängern.
Damit behältst Du eine bessere Verhandlungsposition. Gerade längerfristige Verträge sollten zudem auf Ausstiegsklauseln geprüft werden oder ob diese verlängert werden können, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Deshalb ist es wichtig, im Voraus die Bonität des Kunden zu prüfen.
Fehlende Zahlungsfähigkeiten bei Kunden verschärfen die Situation zunehmend. Gerade da die Coronapandemie mehrere Branchen hart erwischt, wirkt sich das bis zum Privatkunden aus. Deshalb ist es wichtig, im Voraus die Bonität des Kunden zu prüfen. Doch wie geht das am besten? Der „Bonitätsindex“ von Auskunftsfirmen wie „Creditreform und Bürgel“ kann wichtige Hinweise auf die Zahlungsfähigkeit geben. Was noch? Bei Kapitalgesellschaften wie GmbH, Co. KG und AG kann sich ein Blick in den „elektronischen Bundesanzeiger“ lohnen. Doch hier muss darauf geachtet werden, wie aktuell die Einschätzungen sind.
2. Zahlungsausfälle vermeiden durch Teilabrechnungen und Co.
Tipp zwei schließt direkt am Ersten an: Wirtschaftliche Probleme der Kunden, ausgelöst oder verschärft durch die Coronasituation, können Handwerksunternehmen schnell in Bredouille bringen. Doch das kann durch verschiedene Ansätze vermieden werden:
die Bauhandwerkersicherung nutzen,
kurze Zahlungsziele setzen und vermehrt in Teilleistungen abrechnen,
Sicherheiten beziehungsweise Vorauszahlungen und Anzahlungen verlangen,
oder eine Zahlungsgarantie von der Bank verlangen.
Vor allem kürzere Zahlungsziele, Teilabrechnungen und Vorkassenzahlungen stellen in der unvorhersehbaren Situation sicher, dass zumindest ein Teil des Geldes in den Kassen landet. Eine weitere speziellere Möglichkeit, wenn es um größere Summen geht, sind Forderungsausfallversicherungen. Diese sind aber nicht günstig und lohnen sich damit erst bei Aufträgen mit größerem Volumen.
4. Videokonferenzen statt Vor-Ort-Besuche
Kunden oder Mitarbeitergespräche in der Firma, Kundentreffen vor Ort oder der Austausch mit anderen Kollegen gehörten vor der Coronakrise zum Alltag dazu. Gerade in einer Branche wie dem Handwerk ist der direkte Kontakt enorm wichtig. Doch mit den Abstandsregeln oder Rücksicht auf Risikogruppen müssen Alternativen her, um diesen wichtigen Kontakt nicht zu verlieren. Die Lösung: Videochats mit Teams, Zoom, Skype und Co. So lässt sich von Angesicht zu Angesicht kommunizieren und das Infektionsrisiko senken. Auch Anfahrten werden reduziert und nur noch im wichtigsten Fall in Anspruch genommen, was Zeit und Geld spart.
5. Nicht nur eine Hausbank haben
Auch Banken können von der Coronakrise betroffen sein, wenn Zahlungsausfälle sich häufen und damit die Kreditvergabe konservativer gestaltet wird. Zudem ist es immer gut, mehrere Optionen bei Kreditinstituten zu haben, um die besten Konditionen für den Betrieb zu bekommen. Deswegen ist es ratsam, Kontakt zu mindestens einer weiteren Bank aufzunehmen. Egal ob es dem eigenen Betrieb nun gut oder schlechter ergeht. Eine erste Maßnahme für den Kontakt ist die Eröffnung eines Kontos mit optionaler Einreichung des Jahresabschlusses oder der Jahresplanung.











