Preissteigerungen im Handwerk – ein Überblick
Die derzeitigen Probleme der Handwerksbetriebe kurz zusammengefasst: Baustoffe wie Holz, Metall, Farben oder Dämmmaterial sind immer schwerer zu bekommen. Lieferengpässe verzögern die Fertigstellung von Aufträgen erheblich, Betriebe sind aufgrund fehlender Materialien zu Kurzarbeit gezwungen.
Es ist eine wesentliche Komponente der Marktwirtschaft, dass die Nachfrage den Preis regelt. Daher haben sich die Preise in letzter Zeit geradezu inflationär entwickelt. Angebote, die vor wenigen Monaten verbindlich abgegeben wurden, können einzelne Betriebe heute in den finanziellen Ruin treiben.
Ursachenforschung
Die Corona-Krise führte zwangsläufig zu drastischen Einschränkungen und erschwerten Bedingungen an den Landesgrenzen mit der Folge, dass ganze Lieferketten zusammenbrachen. Aufgrund der inzwischen überbordenden Globalisierung hat sich die deutsche Wirtschaft in vielen Bereichen in sehr starke Abhängigkeiten vom Ausland begeben. Wenn es in Indien oder China kriselt, kriegen wir das in Deutschland mindestens ebenso stark zu spüren.
In den USA ist zurzeit die Nachfrage nach Baumaterialien besonders hoch und der Atlantik war für die Amerikaner noch nie eine unüberwindbare Barriere. Also wird kurzerhand der europäische Markt leergekauft, was deshalb so gut funktioniert, weil die US-Firmen aufgrund der dortigen großzügigen Konjunkturprogramme keinen Respekt vor hohen Preisen haben müssen. Der mittelständische europäische Betrieb kann da einfach nicht mehr mithalten.
Letztendlich ist China eine große Senke* für europäische Baumaterialien. Das hat viel damit zu tun, dass die Corona-Krise in dem asiatischen Land viel früher und sehr viel besser unter Kontrolle gebracht werden konnte.
*Dabei handelt es sich übrigens um einen mathematisch-physikalischen Begriff, der genau das Gegenteil von einer ergiebigen Quelle beschreibt.
Es ist evident, dass das europäische Handwerk durch die Corona-Maßnahmen extrem ausgebremst wird
Zum ersten Mal seit dem Jahre 2013 sanken die Umsätze im deutschen Handwerk sogar in einem ersten Quartal, bestätigte kürzlich das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Der Rückgang der Erlöse ist demnach im ersten Vierteljahr 2021 um 7,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gesunken. Auch die Beschäftigtenzahl ist um 1,7 Prozent gefallen.
Besonders hart sind die Handwerksbetriebe für den privaten Bedarf betroffen. In der Friseurbranche brachen die Erlöse sogar um 37,4 Prozent ein und 9,2 Prozent der Beschäftigten sind in dieser Sparte verloren gegangen. Das Bauhauptgewerbe hat einen Umsatzrückgang von 15,9 Prozent zu beklagen. Noch etwas stärker betroffen sind die Gewerbezweige Straßenbau, Maurerhandwerk und Betonbau, die gleich um 17,9 Prozent Federn lassen mussten. Als Ursachen dafür werden Rohstoffengpässe beziehungsweise deutlich verteuerte Rohstoffe im Verein mit dem langen kalten Winter 2020/2021 angeführt.
Es ist noch nicht lange her, als Hans Peter Wollseifer, seines Zeichens Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), vor den erheblichen und nachhaltigen Folgen der Rohstoffknappheit gewarnt hat. Dem fügte er hinzu, dass Unternehmen trotz voller Auftragsbücher Kurzarbeit anmelden müssen, nur weil es an Material fehle.
Sogar das Lebensmittelgewerbe leidet an Umsatzrückgängen von fast zehn Prozent, wobei die Konditoreien hier mit 20,8 Prozent einen „Spitzenplatz“ einnehmen. Dagegen erscheint ein Rückgang von „nur“ 5,6 Prozent im Kraftfahrzeuggewerbe fast schon moderat. Als Lichtblick erwiesen sich allerdings die Zweirad-Werkstätten, die ihren Umsatz gleich um 27 Prozent steigern konnten.
Gab es so drastische Preissteigerungen beim Baumaterial schon einmal?
Wollseifer erklärte weiter, dass es eine ähnliche Problemlage bei den Nichteisenmetallen um 2005 herum schon einmal gab. Doch in dieser vollen Produktbreite sei die exorbitante Preissteigerung von Baumaterialien, vor allem innerhalb eines so kurzen Zeitraums, in seinem ganzen Berufsleben noch nicht vorgekommen.
Insbesondere bei den Bau- und Ausbaugewerken erweisen sich nun die Preiskalkulationen und die Einhaltung von Terminen als äußerst problematisch. Wer jetzt verbindliche Verträge bedienen muss, ohne eine realistische Preisanpassung vornehmen zu können, fährt ganz klar erhebliche Verluste ein. Aufträge durch die öffentliche Hand sind diesbezüglich oftmals besonders unflexibel, es sei denn, es konnte im Vorfeld eine sogenannte Preisgleitklausel vereinbart werden. Dabei ist es allerdings üblich, dass grundsätzlich auch der Auftragnehmer einen Eigenanteil an den unerwarteten Mehrkosten übernehmen muss.
In manchen Fällen ist die Situation geradezu aussichtslos
Die Rückmeldungen sowohl aus den Betrieben als auch aus den Handwerkskammern und Verbänden sprechen eine deutliche Sprache: Für nicht wenige Betriebe steht derzeit die Existenz auf dem Spiel, zudem aufgrund der Pandemie bereits bei vielen die Eigenkapitaldecke extrem ausgedünnt werden musste. So sind finanzielle Spielräume bei den meisten Betrieben faktisch nicht mehr vorhanden.
Gerade bei vielen öffentlichen Aufträgen besteht jetzt die große Gefahr, dass einige Handwerksbetriebe, die wegen der akuten Materialengpässe unverschuldet in einen Leistungsverzug geraten, dafür mit Vertragssanktionsstrafen belegt werden. Hier sind unbedingt die Politiker:innen beziehungsweise die Ministerien gefragt, rechtzeitig gegenzusteuern und die auftraggebenden nachgeschalteten Behörden entsprechend anzuweisen.
Welche Wege der Problemlösung sind jetzt möglich?
Viele Betriebe kommen um Nachverhandlungen mit ihren Auftraggebern nicht herum. Wünschenswert ist es, dass die Verhandlungsführer aufseiten der Arbeitgeber umfassend genug über das derzeit fehlende Baumaterial und dessen Preissteigerungen informiert werden, um überhaupt erst einmal die nötige Sensibilität für das vorhandene Dilemma bei ihnen aufzubauen.
Dabei sollte auch offen kommuniziert werden, dass kein Auftraggeber auf der Gewinnerseite steht, wenn ein beauftragter Handwerksbetrieb noch vor Vertragsausführung in die Insolvenz gerät.
Es ist zurzeit mehr als widersinnig
Handwerksbetrieben drohen Kurzarbeit und Insolvenz, obwohl deren Auftragsbücher prall gefüllt sind. Zimmerer zum Beispiel berichten über große Baustellen, die kurz vor dem absoluten Baustopp stehen, nur weil es an Baumaterial mangelt. Unmittelbar vor der Insolvenz befinden sich in diesen Tagen solide Betriebe, die jede:r Buchhalter:in oder Steuerberater:in als „gesund“ bezeichnen würde.
Fazit
Angesichts der derzeit desolaten Lage des deutschen Bausektors werden wir zumindest temporär um Exportbeschränkungen bei bestimmten Gütern gar nicht herumkommen. Zum Wohle von Umwelt und Natur, gewiss auch mit Blick auf den allgegenwärtigen Klimawandel, hat die Bundesregierung erst vor Kurzem die Holzeinschlagsbegrenzungen verlängert, was in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation mehr als kontraproduktiv ist. Der dringend erforderliche Verzicht auf Vertragssanktionen durch die öffentlichen Auftraggeber wurde oben schon ins Feld geführt.
Die fünf besten Tablets für Handwerker auf der Baustelle 2021
In diesem Artikel:
Baustellen-Tablets ersetzen nicht nur Notizblock und Stift, sondern können als unterstützendes Hilfsmittel für mehr Effizienz und schnelleres Vorankommen sorgen. Mit der passenden Software können Handwerker sich ihre Arbeit vereinfachen und sich eine Menge Zeit und Aufwand sparen. Umständliche Bauprozesse werden ebenfalls vereinfacht.
Damit mehr vom Feierabend übrig bleibt
Mit einem Baustellen-Tablet kann notwendige und oftmals auch lästige Büroarbeit gleich auf der Baustelle miterledigt werden. Ein Tablet ist handlich und immer griffbereit. Baudokumentationen, Flächenberechnungen und Zeitpläne können mit einem Tablet neben der originären handwerklichen Arbeit mitbewältigt werden. Auch Baufortschritte, wichtige Mängelanzeigen und relevante Informationen zur Baustelle können mit einem Tablet unkompliziert festgehalten und sofort gespeichert werden. Ein nochmaliges Nacharbeiten am Ende des Tages entfällt damit.
Der Bürokratie Herr werden
Auf einem Baustellen-Tablet können alle wesentlichen Angaben zu einzelnen Bauprojekten jederzeit abgerufen werden. Änderungen können unmittelbar aufgenommen und in den Bauplan mit einbezogen werden. Auch die Aufgabenverteilung kann viel besser erfolgen, denn mit einem Tablet geht der Überblick nicht verloren.
Schnelle Berechnungen auf der Baustelle durchführen
Zeichnungen und Skizzen erstellen
Konstruktionspläne anfertigen
Bauschäden festhalten
Einzelne Baufortschritte und Mängel dokumentieren
Aufmaße und Messungen skizzieren
Benötigtes Baustellenmaterial auflisten
Baupläne und Videos für eine kundengerechte Präsentation erstellen
Angebotserstellung für Kunden
Die Basics
Baufacharbeiter:innen arbeiten nicht selten unter erschwerten Bedingungen: Extreme Temperaturen, Nässe, Wind, Schmutz und Erschütterungen sollte ein Baustellen-Tablet aushalten können. Die IP-Schutzklassen geben an, inwieweit ein Tablet gegen Staub und Wasser geschützt ist.
Neben dem Funktionellen müssen Outdoor-Tablets vor allem widerstandsfähig gegen Wetterverhältnisse sein. Sie müssen fallsicher und wasser- sowie staubdicht sein. Eine lange Akkulaufzeit und eine integrierte hochauflösende Digitalkamera sind ebenfalls wichtige Merkmale. Die Tablets müssen zudem mit Handschuhen einwandfrei bedienbar sein und ein Digitizer Pen darf nicht fehlen.
Das Display sollte nicht zu klein und mit einer hohen Auflösung für ein möglichst ansprechendes Arbeiten ausgestattet sein. Zusatzausstattungsmerkmale wie GPS zur Standortbestimmung, drahtloses Arbeiten mit 4G/LTE WWAN Modem für einen zügigen Zugriff von überall, ein praktischer Barcode-Reader und eine Antenne für Vermessungen vor Ort sind üblicherweise notwendig. Ein Gerät mit SIM-Karte ermöglicht es, auch ohne WLAN auf Baustellen online zu recherchieren und zu arbeiten.
Damit sich ein Baustellen-Tablet wirklich als Arbeitsmittel auf Baustellen lohnt, muss es für das Arbeitsumfeld tauglich sein.
Hier kommen unsere 5 Top Favoriten für 2021
Darauf ist Verlass – Das Samsung Galaxy Tab Active Pro T545
Das Samsung Galaxy Tab Active Pro T545 Quelle: https://news.samsung.com/us/samsung-ruggedized-galaxy-tab-active-pro-u-s-workforce/
Samsung-Tablets gehören nach wie vor zu den Favoriten für alle Bauberufe. Dieses Jahr empfehlen wir ganz klar das Active Pro T545. Es zählt zu den robusten Outdoor-Tablets mit einer spitzen Leistung und absolutem Schutz vor Außeneinwirkungen wie etwa extremen Temperaturschwankungen. Der nützliche Aufprallschutz sowie die schnelle Ladezeit machen das Gerät zu einem wertvollen Helfer auf jeder Baustelle. Auch bei der Akkulaufzeit liegt es ganz vorn. Die 8-Megapixel-Kamera ist vollkommen ausreichend und die Bildqualität kann sich durchaus sehen lassen.
Das neue Samsung.Tablet ist wie gemacht für die professionelle Nutzung auf Baustellen und für alle sonstigen Outdoor-Einsätze.
Starke Akkulaufzeit bis zu 16 Stunden
Besonders widerstandsfähig gegen Schmutz, Staub und Nässe
Eine stattliche Ausstattung mit WLAN, Bluetooth, LTE, Gesichtserkennung und vieles mehr
Etwas schwerer als andere Tablets
Nicht das günstigste Tablet unter den Outdoor-Tablets
Handwerkerwünsche werden wahr – Das Durios F100 A
Das Durios F100 A Quelle: https://www.acturion.com/wp-content/uploads/durios-f100a-rugged-tablet-pc-datenblatt.pdf
Das strapazierfähige Tablet ist genau das, wonach Handwerker sich sehnen. Es bietet genau das an, was ein Outdoor-Tablet haben muss: Tageslichtlesbares und handschuhtaugliches Display, Multi-Touchscreen, Sturzsicherheit, Barcode-Scanner. Die umfassende Grundausstattung mit gut funktionierendem Qualcomm-Prozessor, eingebautem E-Compass, USB-Anschlüssen, Ersatzakku, Android-Betriebssystem und Dual-SIM Card Slot erleichtert das Arbeiten auf Baustellen ungemein. Das Durios F100 steht für Beständigkeit und einem klasse Preis-Leistungsverhältnis.
Trotz robuster Konstruktion noch relativ leicht
Allumfänglich geschützt gegen extreme Temperaturschwankungen
Arbeitsspeicher erweiterbar über micro SD-Card
Kein Fliegengewicht
Es gibt günstigere Baustellen-Tablets
Qualität, die sich auszahlt – Das iPad Pro 2020
Das iPad Pro 2020 Quelle: https://www.apple.com/newsroom/2020/03/apple-unveils-new-ipad-pro-with-lidar-scanner-and-trackpad-support-in-ipados/
Apple kann was. Auch wenn das iPad vielleicht nicht zu den klassischen Tablets für Baustellen zählt, so setzt es bei der Qualität echte Maßstäbe in gewohnter Apple-Manier. Das feine Gehäuse sieht zwar grazil aus, hält aber definitiv was aus. Sein leichtes Gewicht macht es besonders handlich. Die Benutzerfreundlichkeit dürfte Apple-Kennern bereits bekannt sein. Aber richtige Klasse beweist das iPad Pro einfach mit seiner grandiosen und starken Leistung, die einfach hundertprozentig überzeugt. Ein robustes Display, der ultraschnelle Prozessor und eine langlebige Akkulaufzeit machen es zu einem perfekten Arbeitsgerät auf allen Baustellen.
Keine Frage: Das iPad Pro 2020 ist ein leistungsstarker Allrounder zu einem fairen Preis und derzeit das aktuellste Modell von Apple.
Benutzerfreundliches Betriebssystem iOS12
Integrierte Ultraweitwinkel-Kamera und nützlicher LiDAR-Scanner
Batterielaufzeit bis zu 10 Stunden
Keine Schutzklasse, aber mit Hülle trotzdem geschützt vor Schmutz und Wasser
Für Grobmotoriker eventuell etwas zu schmächtig in der Ausführung
Outdoor Test bestens bestanden – Das RugGear RG 910

Das RugGear RG 910 Quelle: https://www.ruggear.com
Das solide Outdoor-Tablet ist ein kleiner Alleskönner. Sein stabiles Gehäuse schützt einwandfrei vor Wasser und Schmutzpartikel. Auch bei Stürzen federt die Ummantelung ausreichend ab. Das Tablet ist daher ideal geeignet für Arbeiten in der Höhe. Eine praktische Handschlaufe erleichtert das Handling. Die Akkuleistung ist top. Das Android-Betriebssystem ist benutzerfreundlich. Das Tablet verfügt außerdem über diverse Anschlüsse und kann an eine Docking-Station angeschlossen werden. Nicht schlecht, was RugGear hier im Komplettpaket zu einem akzeptablen Preis anbietet.
Hohe Unempfindlichkeit gegen Schmutz, Stürze, Erschütterungen, Feuchtigkeit und Luftdruck
Arbeitsspeicher ist über micro SD-Card erweiterbar
GPS integriert
Schwerer als andere Tablets, aber immerhin mit Handschlaufe ausgestattet
Das Design gewinnt keinen Schönheitspreis
Fazit
Ein Baustellen- oder Outdoor-Tablet muss vor allem für den Außeneinsatz tauglich sein. Für Baustellen eignen sich robuste Tablets als Helfer und Arbeitsgeräte deshalb am besten. Alle Handwerker:innen können ihre Arbeit mit dem richtigen Tablet vereinfachen und effizienter gestalten. Wichtig ist lediglich, dass das Tablet die Anforderungen der jeweiligen Baustelle erfüllen kann.
Das Lieferkettengesetz und seine Bedeutung für das Handwerk
In diesem Artikel:
Nach langem politischen Ringen ist das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten – kurz „Lieferkettengesetz“ – nun da. Das Ziel ist es, Menschenrechte und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette sicherzustellen – Verbände jedoch warnen vor Belastungen für den Mittelstand. Der folgende Beitrag erklärt:
Was das Gesetz besagt,
welchen Zweck es verfolgt und
worauf sich deutsche Handwerksunternehmen vorbereiten sollten.
Inhalt und Ziele des Gesetzes
Mit dem neuen Gesetz sollen der Kinderschutz, die Freiheit von Sklaverei und Zwangsarbeit, angemessene Entlohnung und andere Menschenrechte gestärkt werden. Zwar haben deutsche und andere europäische Unternehmen bereits ohnehin diesbezüglich auf sehr hohe Standards zu achten, aber ab Januar 2023 werden sie zusätzlich dazu angehalten sein, darauf zu achten, dass ihre Lieferant:innen im In- und Ausland die genannten Rechte einhalten.
Hinweis! Es gilt eine sogenannte Bemühenspflicht, keine Erfolgspflicht. Das heißt, dass – sollten in der Lieferkette Menschenrechtsverletzungen stattfinden, obwohl das deutsche Unternehmen seine Pflichten erfüllt hat – keine Haftung erfolgt. Es gilt eine sogenannte Bemühenspflicht, keine Erfolgspflicht. Das heißt, dass – sollten in der Lieferkette Menschenrechtsverletzungen stattfinden, obwohl das deutsche Unternehmen seine Pflichten erfüllt hat – keine Haftung erfolgt.
Handwerksunternehmen mittelbar betroffen
Zwar betrifft das Gesetz nur Unternehmen ab einer Größe von 3.000 Mitarbeiter:innen (im Jahr 2023) beziehungsweise 1.000 Mitarbeiter:innen (ab 2024). Handwerksverbände aber warnen schon jetzt, dass die indirekten Folgen auch kleine und mittelständische Betriebe treffen werden. Dies wäre dann der Fall, wenn größere Unternehmen – die sie betreffenden Sorgfaltspflichten – durch bestimmte Vertragsklauseln auf die KMU in ihrer Lieferkette abwälzen. Wegen der Dokumentations- und Berichtspflichten kämen auf die Betriebe erhebliche bürokratische Mehraufwände zu, was mit echten Wettbewerbsnachteilen verbunden wäre.
Verpflichtendes Risikomanagement auch bei Zulieferern
Großunternehmen sind nach dem neuen Gesetz verpflichtet, eine Risikoanalyse durchzuführen und gegebenenfalls Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Ausdrücklich erwähnt wird im Gesetzestext auch, dass Unternehmen bei der Auswahl ihrer unmittelbaren Lieferanten berücksichtigen müssen, ob diese „menschenrechtsbezogene Erwartungen“ erfüllen. Aller Voraussicht nach werden große Unternehmen ihre Zulieferer:innen bald also dazu anhalten, dass auch sie die Sozial- und Umweltvorgaben einhalten – und an jedem Punkt ihrer eigenen Lieferkette adressieren.
Ein Beispiel:
Kauft ein Unternehmen bei einem Zulieferer:innen ein, muss es prüfen, ob dieser sich an das Gesetz hält. Um eine ausreichende Prüfung sicherzustellen, müssen die Unternehmen Beauftragte einsetzen, die für die Wahrung der Sorgfaltspflichten verantwortlich sind. Die Geschäftsleitung muss sich mindestens einmal jährlich über die Arbeit dieses Beauftragten informieren.
Die Unternehmen sind durch das Gesetz außerdem dazu gezwungen, eine – interne oder externe – Beschwerdestelle einzurichten. Erfährt das Unternehmen von einem Verstoß gegen die Sozial- oder Umweltschutzrichtlinien, muss es den Vorfall dokumentieren. Dabei ist es egal, wo in der Lieferkette der Verstoß stattgefunden hat. Diese Berichte sind spätestens vier Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres auf der Unternehmenswebseite zu veröffentlichen. Stellt sich heraus, dass die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht erfüllt wurden, kann die zuständige Behörde das Unternehmen zum Nachbessern auffordern.
Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Um sich rechtlich abzusichern, werden große Unternehmen ab 2023 auch von ihren Zulieferern verlangen, dass diese vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Stimmen aus dem Handwerk befürchten, dass die Unternehmen sogar dazu übergehen könnten, ihnen diese Maßnahmen direkt vorzugeben.
Was sagen Experten zur aktuellen Situation im deutschen Handwerk? Sie befürchten ebenfalls, dass das Gesetz indirekt auch KMUs treffen könnte. So warnt Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags, dass Betriebe damit rechnen müssen, dass große Auftraggeber ihre Verpflichtungen auf sie abwälzen werden. Peteranderl wie auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks fordern, die beschränkten Einflussmöglichkeiten der Betriebe zu berücksichtigen und die Anforderungen auf ein realistisches Maß zu reduzieren. So solle man die Verpflichtungen auf die erste Zulieferstufe begrenzen und die umfangreichen Regeln für die mittelbaren Zulieferer streichen.
So solle man die Verpflichtungen auf die erste Zulieferstufe begrenzen und die umfangreichen Regeln für die mittelbaren Zulieferer streichen.
Strafen bei Missachtung
Unternehmen, die das Gesetz missachten, drohen Geldbußen und der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen. Kommen potenzielle Verstöße ans Licht, ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle berechtigt, Geschäftsräume zu betreten und Unterlagen zu prüfen. Für Handwerksbetriebe ist vor allem der drohende Ausschluss von öffentlichen Aufträgen bedeutsam.
Rohstoffmangel als zusätzliches Problem
Auch ohne das neue Gesetz stehen die Lieferketten im Handwerk momentan im Fokus. Egal, ob es um Metalle, Holz, Farben oder Dämmmaterial geht – bereits seit Monaten haben viele Betriebe mit Lieferengpässen zu kämpfen. Weil aufgrund von Corona die Produktion in vielen Herstellerbetrieben zurückgefahren wurde und außerdem die Beschränkungen an den Landesgrenzen zur Unterbrechung von Lieferketten im Handwerk führte, fehlt es an Materialien.
Weitere Gründe sind, dass in den USA durch das neue Konjunkturprogramm eine hohe Nachfrage nach Baumaterialien wie Holz herrscht. Die Situation in den USA und im sich rasant entwickelnden China führt dazu, dass das in der EU produzierte Material oftmals exportiert wird. Die Folge in den deutschen Betrieben: Durch die Lieferengpässe verzögert sich das Fertigstellen von Aufträgen, Betriebe müssen in Kurzarbeit gehen oder Baustopps hinnehmen.
Was Handwerksunternehmen tun können
Während bislang vor allem Menschenrechtsverstöße im Textil- und Elektronikbereich für Skandale sorgten, muss in Zukunft auch das Handwerk verstärkt auf die Geschäftspraktiken ihrer Zulieferer achten. Für ihre Existenz spielt vor allem die Rohstoffbeschaffung im Ausland eine Rolle. Deshalb sollten sich Zulieferer:innen bereits jetzt mit dem Thema beschäftigen – und nicht erst dann, wenn es zu spät ist. Erste sinnvolle Schritte bis zum Inkrafttreten des Gesetzes im Januar 2023 können so aussehen:
Überprüfung, welche der eigenen Auftraggeber ab 2023 dem Lieferkettengesetz unterliegen.
Durchsehen der Verträge mit diesen Auftraggebern: Machen sie bereits Vorgaben zu Sozial- oder Umweltschutzthemen? Welche Vertragsstrafen sind vorgesehen?
Überprüfung, ob der eigene Betrieb selbst Waren bei Herstellern kauft, deren Produktionsbedingungen als kritisch einzustufen sind.
Fazit
Da die meisten Handwerksunternehmen unter der festgelegten Mitarbeiterzahl bleiben, wird das Lieferkettengesetz keine unmittelbare Wirkung auf sie haben. Die indirekte Wirkung wird sich ab dem Jahr 2023 zeigen. Betriebe sollten damit rechnen, dass Großkund:innen sie vertraglich dazu verpflichten werden, die gesetzlichen Anforderungen einzuhalten. Dies wird strengere Überwachungs- und Dokumentationspflichten nach sich ziehen, die mit einer verschärften Haftung für die Betriebe verbunden sind. Mittelbar wird das Gesetz also auch für kleinere Handwerksbetriebe Folgen haben.
Zudem geht auch der allgemeine Trend in der Wirtschaft immer stärker in Richtung Nachhaltigkeit. Die mit dem neuen Gesetz verbundenen Auflagen sind also unter Umständen nur ein erster Schritt hin zu mehr Verschärfungen. Langfristig müssen sich daher auch kleinere Betriebe auf entsprechende gesetzliche Änderungen und Anforderungen gefasst machen.









