5 Tipps für einen optimalen Instagram-Auftritt für Handwerksunternehmen
Was Du in dieser Lektion lernen wirst:
- Tipp 1: Das Profil richtig ausfüllen – Unterschied zwischen Name und Benutzername
- Tipp 2: Die richtigen Videos und Bilder aufnehmen
- Tipp 3: Die Bilder richtig aufnehmen und auswählen
- Tipp 4: Den roten Faden in Deinem Feed beachten
- Tipp 5: Wie Du mehr Interaktionen bekommst und damit eine Community aufbaust
Die Beiden vereinen die Fachkenntnis aus Handwerk und erfolgreichen Social Media-Auftritten und wissen daher genau, welche Vorteile ein gutes Instagramprofil für Handwerksunternehmer:innen haben kann und auf was bei der Erstellung des Profils und der Beiträge zu achten ist. Mohamad ist gelernter KFZ-Meister und Social Media Berater mit seiner Firma “Influently” wohingegen Ruslan, selbständiger Elektroniker für Energie- & Gebäudetechnik sowie Content Creator mit über 3000 Followern ist.
Warum Instagram für Handwerksunternehmer:innen interessant ist
Auf Instagram, einer der größten Plattformen, tummeln sich die verschiedensten Leute, teilen ihren Alltag oder sind auf der Suche nach interessanten Beiträgen. Gerade für jüngere Menschen, die Fachkräfte, Auszubildende und Kunden von morgen, hat das soziale Netzwerk eine große Bedeutung, da sie meist täglich Zeit mit der App verbringen. Wer demnach den eigenen Handwerksbetrieb auf Instagram gut aufstellt, kann gezielt für das eigene Unternehmen werben. Dafür bietet die Plattform eine ganze Bandbreite an verschiedenen Content-Formaten, um Nutzer zu Followern und Follower zu Kunden oder Mitarbeitern zu machen.
Hinweis:
Dabei gilt nicht je mehr Follower, desto besser, sondern je mehr aus einer bestimmten Zielgruppe, desto besser.
Tipp 1: Das Profil richtig ausfüllen – Unterschied zwischen Name und Benutzername
Zum Anfang muss der Benutzername für die Instagramseite gewählt werden. Dieser sollte einprägsam sein und im besten Fall darauf hindeuten, was genau Du machst. Dabei ist der Benutzername einzigartig auf Instagram und schafft den größten Wiedererkennungswert. Nicht einzigartig ist jedoch der Profilname, der bis zu 30 Zeichen lang sein darf. Aber auch hier macht es Sinn, sich genau zu überlegen, wie Du am besten kurz und attraktiv beschreibst wer Du bist. Reicht Dir Dein eigentlicher Name aus oder soll es etwas genauer sein wie bei unserem Experten “Ruslan dein Elektriker”?
Anschließend ist das Profilbild an der Reihe, was den Besuchern Deines Profils schnell ins Auge fallen sollte. Ein persönliches Bild, auf dem Du oder Dein Betrieb zu sehen ist, kommt meist besser an als ein bloßes Logo. Daneben ist die Profilbeschreibung zu finden, auch genannt „Steckbrief oder kurz Bio“. Hier ist es nützlich, den Profilbesuchern kurz und prägnant zu erklären, was genau Du auf Deinem Kanal vor hast bzw. mit welchen Themen sich Dein Profil beschäftigt. Um bestimmte Wörter hervorzuheben, lassen sich Hashtags (#) setzen, die dann Blau hinterlegt werden. Zusätzlich bietet es sich an, direkt Links zur eigenen Betriebs-Webseite anzugeben, um Nutzer:innen direkt weiter zu informieren. Auf der mobilen Version der App lassen sich sogar noch Kontaktdaten angeben wie die Telefonnummer oder die Adresse.
Tipp 2: Die richtigen Videos und Bilder aufnehmen
Da die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen im digitalen Zeitalter recht gering ist und Bildmaterial einfacher vom Gehirn verarbeitet wird, eignen sich kurze Videos und Bilder optimal, um doch wahrgenommen zu werden. Mit kurzen Videos wie den sogenannten “Reels” lassen sich schnell Menschen erreichen, wie der anhaltende TikTok-Trend zeigt. Damit Instagram Deine Beiträge möglichst vielen Menschen direkt anzeigt, sollte der Algorithmus der Plattform beachtet werden. Mohamad nutzt beispielsweise eine Strategie von 40 % Bildern und 60 % Videos, da Instagram momentan Videos bevorzugt. Je mehr Deine Inhalte dem Algorithmus entsprechen, desto besser wird Dich Instagram im Newsfeed platzieren. Videos können kurz (Reel) oder länger (IGTV) sein. Daneben gibt es Hashtags (#), damit Dein Profil besser gefunden werden kann.
Hinweis:
Unsere beiden Experten raten dazu, Euch so zu präsentieren wie Ihr seid echt zu wirken, Emotionen hervorzurufen und dadurch die Leute mitzureißen.
Tipp 3: Die Bilder richtig aufnehmen und auswählen
Um authentische Bilder aufzunehmen, brauchst Du nicht unbedingt einen professionellen Fotografen zu engagieren. Je nachdem, welche Strategie Du verfolgst und wie Du bei Deinen Followern ankommen willst. Mohamad setzt zum Beispiel auf professionell erstellte Bilder, wohingegen Ruslan die meisten einfach mit dem Smartphone aufnimmt. Trotzdem gibt es ein paar Kniffe bei der Aufnahme zu beachten: Zum einen hilft es ungemein, das Raster bei der Kamerafunktion einzuschalten. Dadurch lässt sich das Bild in drei Teile einteilen. Damit ein Bild gut erkennbar ist, sollte das was hervorgehoben werden soll, zum Beispiel im oberen Drittel positioniert seien. Zum Beispiel das Gesicht, das Werkstück oder der wichtigste Teil des Arbeitsschrittes an sich.
Tipp 4: Den roten Faden in Deinem Feed beachten
Gemeint ist damit der Wiedererkennungswert Deines Profils. Am besten hebst Du Dich nämlich von anderen Betrieben in Deinem Bereich ab. Zum einen farblich und zum anderen thematisch, falls es möglich ist. Eine bestimmte Farbkombination bei Deinem Layout der Beiträge, dem Firmenlogo oder dem Aufbau des Profils kann in dem Fall schon reichen. Wiederkehrende Farben und Layouts bei Beiträgen zu gleichen Themen oder veränderte Layouts um Themenschwerpunkte abzugrenzen, wäre ein anderes Beispiel. Auch das Gesamtbild Deiner angezeigte Beiträge sollte farblich und thematisch zusammenpassen. Hier ist etwas Kreativität gefragt. Außerdem sollte alles – was im Steckbrief angegeben – Deine Intention auf Instagram bei den Beiträgen widerspiegeln.
Tipp 5: Wie Du mehr Interaktionen bekommst und damit eine Community aufbaust
Hinweis:
Zur Erklärung: Interaktionen sind essentiell auf Instagram. Darunter zählen Likes, Kommentare, geteilte Beiträge, Verlinkungen und private Nachrichten auf bestimmte Beiträge.
Um als Handwerksunternehmer:in auf Instagram erfolgreich zu sein, musst Du laut Ruslan wissen, was genau dort erreicht werden soll. Sind es neue Kunden, Mitarbeiter oder Auszubildende. Danach lässt sich die Art und Weise der Beiträge auf Deinem Profil auswählen. Einen Auszubildenden interessiert beispielsweise genau, wie diese bei Deinem Betrieb aussehen. Kunden interessieren sich eher für die Arbeitsweise und für die fertigen Projekte, an denen sie sich orientieren können.
Auch die Kommunikation und Ansprache in den Beiträgen lässt sich genau auf eine Zielgruppe anpassen. Texte müssen auf Instagram Emotionen auslösen. Zum Beispiel Verwunderung, Staunen oder einen Lacher. Im besten Fall regen die Beiträge zu Feedback oder einer Diskussion an. Damit die interessierten Nutzer nicht abgeschreckt werden, hilft es, die kurzen Texte zu formatieren und in kleine Abschnitte aufzuteilen. Zudem können Emojis Textpassagen auflockern und bestimmte Emotionen einfacher rüberbringen. Kommuniziert wird auf persönlicher Ebene, wobei “authentisch sein” das A und O darstellt.
Eine kleine Frage zum Schluss kann zusätzlich Nutzer zur Interaktion anregen.
Ein sogenannter “Call to Action”. Zum Beispiel: „Was haltet ihr davon? Habt ihr damit auch schon Erfahrungen gemacht?“. Um den Beitrag so sichtbar wie möglich für die Instagram-Welt zu machen, können Hashtags (#Handwerker) benutzt werden. Das sind Schlüsselworte, die zu Euch und der Zielgruppe passen. Das heißt wer nach Elektrikern sucht, sollte Hashtags verwenden, die Elektriker interessieren. Es kann auch nützlich sein neue Hashtags zu etablieren, um einen weiteren Wiedererkennungswert zu schaffen.
Instagram ist ein Geben und Nehmen.
Um Interaktionen zu erhöhen, können sich Kollaborationen lohnen. Beispielsweise mit Cafés, anderen Firmen und sonstigen Läden aus Deiner Gegend, die mögliche Follower zu Deiner Zielgruppe für Dich haben und andersherum. Wer zum Beispiel einen Gas-Wasser-Installateur benötigt, braucht zum Beispiel meistens auch einen Elektriker. Warum dann nicht eine Kooperation mit einem Profil, um gegenseitig zu profitieren?
Zum Schluss haben Dir Ruslan und Mohamad eine kurze Checkliste (https://linktr.ee/influently) erstellt, um Deinen Instagram-Auftritt zu verbessern. Wer mehr Information rund um Social Media benötigt, kann sich an die beiden wenden oder direkt eine Termin ausmachen.
„Frauen im Handwerk“: Ein Interview mit Nicole Ulsch
In diesem Artikel:
- Hallo Nicole, was sollte unsere Handwerker-Community über Dich wissen?
- Was waren die ausschlaggebenden Gründe im Handwerk zu arbeiten?
- Gehst Du einer Verbandstätigkeit nach bzw. bist Du neben Deiner hauptberuflichen Tätigkeit noch anderweitig im Handwerk aktiv?
- Welche Aufgaben bereiten Dir die größte Freude und was inspiriert und motiviert Dich tagtäglich aufs Neue?
- Wurdest Du in Deiner (bisherigen) Laufbahn mit Vorurteilen konfrontiert und falls ja, wie hast Du darauf reagiert?
- Welche Herausforderungen bringt der Handwerksberuf aus Deiner Sicht mit sich?
- Welchen Rat, welche Tipps hast Du für junge Mädchen und Frauen, die sich für das Handwerk interessieren?
- Wie siehst Du die Situation der Frauen im Handwerk: In welchen Bereichen besteht zum Beispiel Nachholbedarf?
- Was hat sich Deiner Meinung nach während dem Beginn Deiner beruflichen Karriere bis heute verändert oder auch nicht verändert?
- Wie können junge Auszubildende dabei unterstützt werden, einen Handwerksberuf zu erlernen und auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein?
“Wie weiblich ist das Handwerk?”, haben wir in unserem letzten Blogbeitrag gefragt. Dabei lässt sich sagen: deutlich weiblicher als noch vor 20 Jahren. Grund genug einmal direkt bei einer Handwerkerin nachzufragen, die sich mit dem Thema bestens auskennt und ihre Erfahrung teilen kann.
Hallo Nicole, was sollte unsere Handwerker-Community über Dich wissen?
Ich habe 1996 die Meisterschule abgeschlossen. Dieser Abschluss war die logische Konsequenz nachdem ich mit Lehrzeitverkürzung und anschließender Begabtenförderung die Lehrzeit abgeschlossen hatte. Mir war von Anfang an klar, dass ich den Meisterbrief erwerben wollte, denn ein Leben lang auf der Baustelle zu arbeiten konnte ich mir als Frau schlicht nicht vorstellen. Dass das Malerhandwerk jedoch viel mehr zu bieten hat, als den Meistertitel zu erwerben und sich selbständig zu machen, hatte sich mir damals noch nicht erschlossen. Heute, gut 25 Jahre später, kann ich auf eine wenig lineare Laufbahn zurückschauen und ich bin noch lange nicht da, wo ich hin möchte…
In der Zwischenzeit, habe ich ein Werkzeugtaschen Gurtsystem während meiner Selbständigkeit in einer „One-Woman-Show“ entwickelt. Dieses ist patentiert und ich vertreibe es im eigenen Onlineshop. Mir ging in unserer Arbeitsweise, vor allem beim Tapezieren, das ewige Verlegen des Werkzeugs so auf die Nerven, dass ich mir Holstertaschen explizit fürs Tapezierwerkzeug genäht habe. Als ich bei jemandem damit arbeitete, verwies er mich an seinen Patentanwalt und so kam der Stein ins Rollen… Nach einigen Messeauftritten und der durchweg positiven Resonanz vieler Kunden war klar, es muss vertrieben werden. So ist das Gurtsystem PRACTICA CINGULIS heute eine echte Arbeitserleichterung für die, die sich darauf einlassen wollen…
Dadurch bin ich in Kontakt mit der Online-Welt gekommen, und dies öffnet einem natürlich die Augen noch mehr. Immer mehr Kontakte entstehen, neue Möglichkeiten des Lernens und auch des Arbeitens. Aktuell arbeite ich im Betrieb meines Lebensgefährten im Büro und auf den Baustellen. Wir haben unser Portfolio im Wesentlichen erweitert, machen viele Schulungen und ziehen so natürlich auch vermehrt die Kunden an, die wir haben wollen. Es ist eine nie endende Reise, fernab von der klassischen Art und Weise einen Malerbetrieb zu führen. Aber dazu vielleicht später mehr.

Was waren die ausschlaggebenden Gründe im Handwerk zu arbeiten?
Während meiner Schulzeit, einer 2-jährigen Berufsfachschule, Richtung Sozialpädagogik und Hauswirtschaft, war ich mit einer Freundin im Zuge eines „Tag der offenen Tür“ in den Werkstätten der Berufsschule unterwegs. Wir wollten uns einfach so umsehen ohne besonderes Interesse an den Berufen zu haben ;-) Die letzte Werkstatt, die wir uns anschauten, war die Malerwerkstatt. Ich kann Ihnen sagen…ich hatte diese Tür geöffnet: Das Erste was ich wahrgenommen hatte war der Geruch der Farbe, dann das Licht, die Atmosphäre in dieser Werkstatt. Was soll ich sagen, ich war schockverliebt! Ich hatte zuvor nichts mit dem Malerhandwerk zu tun, auch nichts mit anderen Handwerksberufen. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal was ich lernen wollte. Aber seit diesem Tag war alles anders. Das wollte ich lernen. Und so war meine Entscheidung gefallen, ohne zu wissen was mich erwarten sollte. Und es war nicht alles Zucker…
Ich hatte zuvor nichts mit dem Malerhandwerk zu tun, auch nichts mit anderen Handwerksberufen. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal was ich lernen wollte. Aber seit diesem Tag war alles anders. Das wollte ich lernen.
Gehst Du einer Verbandstätigkeit nach bzw. bist Du neben Deiner hauptberuflichen Tätigkeit noch anderweitig im Handwerk aktiv?
Nein, ich gehe keiner Verbandstätigkeit nach und ich denke auch nicht, dass ich das je werde. Das ist mir zu statisch, ohne jemandem dabei auf den Schlips treten zu wollen. Ich finde jeder sollte seinen Interessen nachgehen. Meine liegen einfach wo anders…
Welche Aufgaben bereiten Dir die größte Freude und was inspiriert und motiviert Dich tagtäglich aufs Neue?
Ich bin ein unersättlicher Lerntyp: Ich muss mich ständig mit Neuem füttern. Das macht es auch nicht immer einfach ;-). Und im Malerhandwerk lässt sich so unsagbar vieles dazulernen. Ich habe so viele Schulungen besucht, was kreative Techniken betrifft, neue Materialien kennengelernt und auch angefangen selbst Schulungen zu geben. Dies erfüllt mich schon sehr. Zum Beispiel war es eine echte Herausforderung fugenlose Bäder zu fertigen. Aber es ist geschafft und wir haben schon vielen Kunden zu so einem Badezimmer verholfen… was mich gerade sehr reizt, ist die Digitalisierung, sei es in der Baustellendokumentation, Zeiterfassung uvm.
Ich habe eine gewisse Internetaffinität an mir entdeckt und eine riesige Neugier in diesem Bereich. Vor allem das Marketing und die Möglichkeit Prozesse zu automatisieren reizt mich sehr. Im Moment absolviere ich noch eine „Ausbildung“ zur Business-Feng-Shui Beraterin, auch in Form eines Onlinekurses. Das war für mich auch nochmal sehr spannend. Denn einfach Farbtöne oder Techniken an die Wände zu zaubern war das Eine. Heute weiß ich WARUM gerade dieser oder jener Farbton an diese besagte Wand kommt. Heike Schauz, selbst Malermeisterin, bietet diese Kurse an. So wurde für mich die Malerei erst „rund“. Farbgestaltung betrachte ich heute aus einer ganz anderen Sicht, nämlich gänzlich aus Sicht der Bewohner der Wohnung oder des Hauses. Altes Baumeisterwissen und die daoistische Harmonielehre faszinieren mich. Und noch mehr die Auswirkungen auf die Bewohner, wenn die Wohnräume optimiert sind.
Wurdest Du in Deiner (bisherigen) Laufbahn mit Vorurteilen konfrontiert und falls ja, wie hast Du darauf reagiert?
Ja natürlich. So rieten mir meine Lehrerinnen in der 2-jährigen Berufsfachschule in der ich meine Mittlere Reife absolvierte davon ab. Eine war sogar völlig entsetzt wie ich mit einem Realschulabschluss und noch dazu als Frau in einen „solchen“ Handwerksberuf gehen wolle. Ich hörte mir das natürlich an, aber wenn ich mir vorstellte mein ganzes Leben in einem Büro oder als Krankenschwester zu verbringen, zog sich alles in mir zusammen. Und das bedeutete für mich ein großes NEIN! Ich wusste nicht was auf mich zukommen sollte, aber das was meine Schulkameradinnen anstrebten war für mich überhaupt nicht in Erwägung zu ziehen.
Welche Herausforderungen bringt der Handwerksberuf aus Deiner Sicht mit sich?
Das Handwerk ist sehr vielschichtig: Das Erlernen der theoretischen und praktischen Inhalte ist die Basis von allem. Ich denke heute ist die Herausforderung ganz klar, sich auf die Digitalisierung einzulassen und zwar voll und ganz. Ich denke schon in 10 Jahren werden die, die Nase vorn haben, die ihre Interessenten und Kunden im Netz bedienen und bewerben.
Die klassische Zeitungsannonce wird ausgedient haben. Die heutigen Jugendlichen und somit Kunden von morgen holen sich ihre Infos gänzlich aus dem Netz. Wer da nicht vertreten ist, wird schlicht überrollt werden. Ich denke für Betriebe ist dies momentan die größte Herausforderung. Sich bewusst zu machen, dass der Wandel auch im Handwerk Einzug hält und auch da mit zu gehen, sehe ich für viele als ein Problem. „Wie geht das? Was muss ich da machen? Ich brauche das doch gar nicht….“ Höre ich so oft.
Das Handwerk ist sehr vielschichtig: Das Erlernen der theoretischen und praktischen Inhalte ist die Basis von allem. Ich denke heute ist die Herausforderung ganz klar, sich auf die Digitalisierung einzulassen und zwar voll und ganz.

Welchen Rat, welche Tipps hast Du für junge Mädchen und Frauen, die sich für das Handwerk interessieren?
Traut Euch!!! Das ist mein Appell an die jungen Mädchen und Frauen. Sucht euch Betriebe die gut aufgestellt sind: Modern arbeiten, gute Websiteauftritte haben, Fortbildungen anbieten. Schaut ob sie bei Facebook und Instagram vertreten sind…. Das sind die Betriebe der Zukunft. Da könnt ihr mitwirken, etwas lernen.
Wie siehst Du die Situation der Frauen im Handwerk: In welchen Bereichen besteht zum Beispiel Nachholbedarf?
Ich denke die Frauen sind schon lange angekommen und auch akzeptiert im Handwerk. Natürlich müssen sie auch dementsprechend Leistung bringen. Frau sein alleine reicht da nicht. Aber ich denke wir sind da auf einem sehr guten Weg. Das Handwerk ist offen dafür. Das finde ich sehr schön.
Was hat sich Deiner Meinung nach während dem Beginn Deiner beruflichen Karriere bis heute verändert oder auch nicht verändert?
Es hat sich schon einiges geändert. Heute sieht man viel mehr Frauen als damals. Gott sei Dank hat sich auch seit einigen Jahren etwas in der Entwicklung der Materialien getan. Der Digitaldruck hat eine Renaissance der Tapete bewirkt. Neue Materialien im dekorativen Bereich erleichtern die Ausführung dieser. Die schon erwähnte Digitalisierung gab es damals überhaupt nicht. Neue Fassadenbeschichtungen die Oberflächen schneller trocknen lassen, um Schimmel und Algenbefall vorzubeugen…. die Liste ist schier unerschöpflich. Aber ich denke im Miteinander in den Betrieben kann noch einiges zum Positiven verändert werden. Schon früher war es oft so, dass lieber getadelt als gelobt wurde. Auch da wünsche ich mir noch eine große Veränderung hin zum Positiven. Das würde auch die Jugendlichen wieder mehr ins Handwerk bringen.
Wie können junge Auszubildende dabei unterstützt werden, einen Handwerksberuf zu erlernen und auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein?
Das ist im Moment ein großer Knackpunkt. Sie brauchen sich dazu nur mal die Zahl der neuen Azubis anschauen. Erschreckend!!! Da das Rezept dafür zu haben wäre die Revolution und das Retten des Handwerks. Und ich sag Ihnen was, ich habe das Rezept nicht. Ich kann nur dazu sagen, das Handwerk bietet unsagbar viele Möglichkeiten. Man muss sich darauf einlassen. Es ist nicht einfach, aber interessant. Ich glaube auch heute noch, dass das Handwerk „Goldenen Boden“ hat.
Vielen Dank für das Interview Nicole!
Weitere Informationen zu Nicole Ulsch und Ihrer Arbeit findet Ihr hier:
https://werkzeugtaschen-gurtsystem.de/
Wie nachhaltige Kunden ticken und sich das Kaufverhalten durch Corona verändert
In diesem Artikel:
Für Handwerksunternehmen ist es wichtig zu wissen, wie ihre Kunden ticken und auf was sie Wert legen. Dabei hilft nun eine aktuelle Studie von der Gesellschaft für Konsumforschung (kurz: GfK). Im Mittelpunkt steht dabei das Thema Nachhaltigkeit zu dem 30.000 Befragte aus 30 Ländern – unter anderem auch Deutschland – ihre Einstellung offenbarten. Aus den Antworten ging hervor, dass Nachhaltigkeit bei der Kaufentscheidung immer wichtiger wird. Außerdem konnte das Institut fünf Konsumententypen ableiten, welche für Betriebe interessant sind, um potenzielle Kunden abzuholen. Gerade, da die Corona-Pandemie die Lage für einige Betriebe (Mehr zu steigenden Preisen für Baumaterial) und die Zusammenarbeit mit ihren Kunden gehörig verändert hat.
Deshalb erfährst Du im Folgenden:
Welche die 5 nachhaltigen Konsumententypen sind
Was hinter den Begriffen der Typen steckt und wie du sie ansprichst
Wie sich das Konsumverhalten durch Corona verändert hat
Die Kunden von morgen setzen auf Nachhaltigkeit. Das ist schon seit Längerem bekannt, doch nun zeigt die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, wie genau sich die Käufer in ihrem Verhalten und ihrer Einstellung unterscheiden. Hierbei wurden bei der GfK Consumer Life Studie im Abschnitt “Green Gauge” Konsumenten zur Bedeutung von Nachhaltigkeit in Sachen Verkaufsverhalten in den Jahren 2010 und 2020 befragt und deren Antworten miteinander verglichen. Demnach ist “Grün zu denken und zu kaufen, mehr als nur eine Einstellung, denn es steht heute für eine Art Status“.
Dabei sind folgende Konsumententypen herausgestellt worden: Green in Deed, Glamour Greens, Carbon Cultured, Green in Need, Jaded.

Doch was genau steckt hinter diesen Begriffen?
Green in Deed
Das bedeutet so viel wie grün bzw. nachhaltig im Handeln und Denken. Kundentypen von der Kategorie sind nicht nur sehr achtsam beim Thema Nachhaltigkeit, sondern setzen sich auch aktiv dafür ein. Meist legen sie darauf Wert, dass nicht nur ein Teil des Produktes oder der Dienstleistung umweltschonend ist, sondern so viel wie möglich. Das kann beispielsweise die Herstellung, den Betrieb als ganzen oder die Müllentsorgung mit einbeziehen. 23 % der Befragten gaben an, sich zu diesem Konsumententyp zu zählen.
Glamour Greens
Wie der Name schon andeutet, ist diese Käufergruppe mehr schein als sein. Der nachhaltige Kauf wird vornehmlich als eine Art Statussymbol angesehen. Denn umweltschonend zu konsumieren liegt genau im Trend. Um diese potenziellen Kunden anzuziehen, muss das gekaufte Produkt auch so gut wie möglich nach außen wirksam sein. Ein gezielter Social Media Auftritt kann hier helfen. Die Glamour Greens machen tatsächlich auch den größten Teil der Befragten mit 30 % aus.
Carbon Cultured
Dieser Konsumententyp ist noch nicht ganz vom Kauf und dem nachhaltigen Lebensstil überzeugt. Sie wissen allerdings über die Bedeutung vom Thema Nachhaltigkeit in der Gesellschaft Bescheid, sind jedoch mit einem anderen Lebensstil aufgewachsen. So sieht auch das Verhalten der Käufergruppe aus. Demnach ist hier ein wenig Überzeugungsarbeit nötig, bei der die Vorteile herausgestellt werden.
Green in Need
Im Gegensatz dazu findet diese Zielgruppe den umweltschonenden Lebensstil mit dem dazugehörigen Konsum überzeugend. Jedoch wissen sie bisher zu wenig darüber. So sind sie demnach offen für gezieltes Marketing in dem Bereich.
Jaded
Alle Befragten, die zu dieser Gruppe gehören, sehen dem Thema Nachhaltigkeit eher skeptisch entgegen. Jedoch gibt es finanzielle Mehrwerte, die sie dennoch dafür begeistern können. Beispielsweise wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung besonders langlebig ist oder sich um die Reparatur von bestehenden Dingen dreht. So lässt sich zum Beispiel Geld oder im weiterem Sinne Energie sparen. Genau an diesem Punkt setzen Unternehmen bei diesem Konsumententyp den Fokus auf finanzielle Mehrwerte, um Überzeugungsarbeit für ihre Produkte zu leisten.
Wer weiß, auf was seine Kunden Wert legen, wird wettbewerbsfähig bleiben
Während sich die junge Generation zwar öffentlich am meisten um das Thema Umweltschutz sorgt, ist es die ältere Generation, die mehr Kapital besitzt und laut der Studie auch gewillt ist zu verzichten bzw. beim Kauf auf Nachhaltigkeit zu achten. So sind 73 % motiviert Zuhause Energie zu sparen, während 36 % den Faktor Umweltschutz bei ihrer Kaufentscheidung mit einbeziehen. Dazu erwarten ebenfalls 73 % der Befragten von Unternehmen umweltschonend und nachhaltig zu handeln. Ein interessanter Punkt, da das Handwerk jeden Tag nachhaltiger handelt, als es den meisten Menschen bewusst ist. Hier gilt es für Handwerksbetriebe darauf aufmerksam zu machen und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.
Dieser ist gerade deshalb wichtig, da sich nicht nur die Anforderungen an Handwerksbetriebe durch die Corona-Maßnahmen verändert haben, sondern auch das Kaufverhalten der Menschen.

Wie sich das Kaufverhalten durch Corona verändert hat
Einblicke in die sogenannten Konsumtrends gibt hier das Zukunftsinstitut Frankfurt am Main mit ihrem Team aus Handelsexperten. Laut des Institutes hat sich während der Zeit des Lockdowns das verändert, was “richtig Leben” heißt. Daraus leiten die Experten vier Trends ab, bei denen es sich auch für Handwerksbetriebe lohnen kann, diese bei der Kundengewinnung im Hinterkopf zu behalten. Zentral sind hierbei Bedeutung und Resonanz beim Kauf des Angebotenen.
Bewusster Konsum
Es zählt nicht mehr die bloße Fülle an Konsumgütern, sondern deren Bedeutung, Vorteile und wie sie in der Gesellschaft ankommen.
Kooperation von Unternehmen
Gerade die Krise hat gezeigt, wie Unternehmen durch “Click und Collect” Partnerschaften zusammenarbeiten können, um ihren Kunden dennoch etwas anbieten zu können. Warum also nicht gewerkeübergreifend zusammenarbeiten? Für die Zukunftsforscher sind Kooperation und Teamwork ein wichtiger Überlebensfaktor, der auch bei Konsumenten gut ankommt.
Digitale Technik ist angesagt
Durch die Kontaktbeschränkungen sind viele persönliche Beratungs- und Kaufgespräche ins Digitale verlagert worden. Zudem ist der Internetauftritt von Betrieben mehr in den Fokus gerückt, bei dem Online-Tools zur Kundenakquise oder für die Geschäftsabwicklung eine wichtige Rolle spielen. Damit hat sich der Service, auf den Kunden auch jetzt nicht mehr verzichten wollen, erweitert. Wenngleich das persönliche Gespräch auf der Baustelle oder im Laden nach wie vor essenziell ist. Wer mehr zum Thema wissen möchte, schaut hier vorbei.
Vertrauen in Unternehmenswerte
In Zeiten der Krise setzt sich der Trend fort, dass Konsumenten bei der Kaufentscheidung die verkörperten Werte eines Unternehmens einbeziehen. Ein Beispiel hierfür ist der Faktor Nachhaltigkeit. Wird das auch richtig kommuniziert und letztendlich auch gelebt, ist das ein Erfolgsfaktor für die Zukunft.
Unser Fazit
Wer die Hinweise der GfK sowie des Zukunftsinstitutes beachtet, weiß besser Bescheid, wie seine zukünftigen Kunden ticken und an welchen Stellen zur Kundenakquise angesetzt werden kann. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass immer mehr Konsumenten zu den nachhaltigen Typen zählen. Daneben hat sich das Kaufverhalten durch die Pandemie durch digitale Aspekte und bewussteres Konsumieren verändert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass immer mehr Konsumenten zu den nachhaltigen Typen zählen.
Zu beachten gilt es jedoch, dass die Konsumententypen nur ein Beispiel unter vielen für die Unterteilung von nachhaltigen Kunden darstellen. Außerdem sollten Handwerksbetriebe darauf achten, wenn sie gezielt mit Nachhaltigkeit werben, auch wirklich Nachhaltiges dahintersteckt. Sonst steht schnell der Ruf auf dem Spiel. Jedoch hat das Handwerk jetzt schon viele nachhaltige Aspekte aus dem Arbeitsalltag, die gelebt werden. Weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit findest Du in diesem Blogartikel.



