Neue und verlängerte Corona-Hilfen für Handwerksbetriebe
Auch wenn sich das Infektionsgeschehen in Deutschland im Sommer zu entspannen scheint, ist die finanzielle Lage vieler Handwerksunternehmen weiter angespannt. Gewerke, die von den Beschränkungen härter betroffen waren, benötigen noch immer finanzielle Unterstützung, um mit neuem Antrieb das Arbeitsjahr noch erfolgreich zu beenden oder ihre Existenz zu sichern. Eine gutes Zeichen ist in der Hinsicht die nun politisch festgelegte Verlängerung der Hilfen bis Ende September 2021. Daneben können Erhöhungen und neue Prämien für zusätzlichen Antrieb im Handwerk sorgen. Um welche es sich handelt, erfährst Du unter anderem im Folgenden.
Wie sich der Zugang zum Kurzarbeitergeld vereinfacht und verlängert
Zudem wird nicht nur die Laufzeit des Kurzarbeitergeldes verlängert, sondern auch der vereinfachte Zugang zu diesem. Bis Ende September 2021 können Handwerksunternehmen sich nun die gesamte Höhe der Sozialversicherungsbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden erstattet lassen. Falls sich die Perspektive für Unternehmen und Belegschaft durch das Pandemiegeschehen nicht verbessert hat, stellte Arbeitsminister Hubertus Heil eine Verlängerung bis Ende des Jahres in Aussicht. Um Anspruch auf das Kurzarbeitergeld zu haben, müssen seit einiger Zeit nur 10 % der Mitarbeiter (statt wie zuvor 30 %) davon betroffen sein. Zur Antrags- und Informationsseite geht es hier entlang.
Insgesamt werden die verlängerten Hilfen ein Volumen von rund 2,6 Milliarden ausmachen. Eine beträchtliche Summe, die laut Arbeitsminister Heil allerdings den Unternehmen eine sicherere Perspektive ermöglichen soll.
Inwiefern die Überbrückungshilfe III ein Plus bekommt
Unter den Namen Überbrückungshilfe III Plus wird die finanzielle Unterstützung für betroffene Betriebe ebenfalls bis Ende September verlängert. Ausgehend vom Umsatzeinbruch im Vergleich zum Jahr 2019 können Unternehmer so weiter Zuschüsse bekommen, um ihre Fixkosten zu drücken. Allerdings muss der Umsatzeinbruch bei mindestens 30 % liegen, um einen Antrag stellen zu können. Anträge können weiterhin über prüfende Dritte und das Bundesportal (Alle Infos hier) gestellt werden.
Allerdings muss der Umsatzeinbruch bei mindestens 30 % liegen, um einen Antrag stellen zu können.
Jedoch hat sich die maximale Förderhöhe bei der Überbrückungshilfe III Plus erhört. So liegt die maximale Förderung im Monat nun bei 10 Millionen Euro, während die insgesamte Förderung nun bei 52 Millionen Euro gedeckelt ist. Außerdem gilt die Überbrückungshilfe Plus auch für Betriebe, die direkt oder indirekt von staatlich angeordneten Schließungen betroffen sind. Hier greift die EU-Regelung zum Schadensausgleich. So lassen sich in Zukunft entstandene Schäden von bis zu 40 Millionen Euro zur Erstattung angeben (Mehr Infos hier).
Für wen die neue Restart-Prämie infrage kommt
Damit will die Bundesregierung Handwerksunternehmen im Rahmen der Überbrückungshilfe Plus von Juli bis September 2021 bei anfallenden Personalkosten mit starken Zuschüssen unterstützen. So sollen Betriebe motiviert werden, Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen oder sogar neue Mitarbeiter einzustellen. Die Zuschusssumme berechnet sich dabei aus der Differenz der Personalkosten des Monats Mai 2021 mit den Personalkosten des angegebenen Fördermonats. Hierbei ist der Zuschusshöhe über drei Monate hinweg gestaffelt. Das bald aktualisierte Portal findet sich hier.
Im Juli liegt sie bei 60 %
Im August bis 40 %
Und im September bei 20 %
Nach September läuft die Restart-Prämie aus
Daneben können Unternehmen, die sich mit einer drohenden Insolvenz konfrontiert sehen, zukünftig Anwalts- und Gerichtskosten von bis zu 20.000 Euro pro Monat für die sogenannte “insolvenzabwendende Restrukturierung” von Unternehmen geltend machen.
Was sich bei der Neustarthilfe für Soloselbstständige erhöht
Auch Soloselbstständige können weiter mit Hilfen rechnen. Die Neustarthilfe wird ebenso bis Ende September verlängert (Zum Infoportal hier entlang). Zudem wird diese in den Monaten von Juli bis September von 1.250 Euro pro Monat auf 1.500 Euro pro Monat angehoben. Somit ist eine Fördersumme von bis zu 12.000 Euro über den gesamten Zeitraum möglich. Jedoch aufgepasst: Erweisen sich die Umsatzeinbrüche 2021 geringer als erwartet, muss die Neustarthilfe zu bestimmten Anteilen zurückbezahlt werden.
Etwas Geduld bei den Antragswebseiten
Handwerksunternehmer, für die die Hilfen in Erwägung kommen, müssen sich allerdings noch ein paar Tage gedulden, bis die Antragswebseiten aktualisiert und angepasst sind. Dies kann laut Bundeswirtschaftsministerium noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Es lohnt sich daher, regelmäßig auf der Webseite vorbeizuschauen. Informationen zu anderen Coronahilfen können hier gefunden werden.
Eine kostenlose Wissensplattform für Digitalisierung im Handwerk
Im Folgenden erfährst Du:
Mittlerweile gibt es eine Fülle an Informationen über die Digitalisierung in Unternehmen. Erfreulicherweise auch speziell für die Handwerksbranche. Allerdings eine derartige Fülle an Informationen, dass Betriebe leicht den Überblick verlieren können oder vermehrt personelle und zeitliche Ressourcen aufwenden müssen, damit sie Antworten auf ihre Fragen finden. Ein Projekt aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen will das nun ändern. In Zusammenarbeit der Handwerksverbände, Innungen und Kammern mit der Förderung durch die Wirtschaftsministerien des Landes und auf Bundesebene ist die kostenlose Informationswebseite „Handwerk-Digital.nrw“ (Zur Website klicken) entstanden. Im Folgenden erfährst Du:
Was es über das Projekt zu wissen gibt
Die Webseite hat es sich zur Aufgabe gemacht, Handwerksbetriebe bei der digitalen Entwicklung voranzubringen. Dabei wird darauf Wert gelegt, interessierte Betriebe digital gut aufzustellen, damit sie in Zukunft nicht nur wettbewerbsfähig, sondern auch attraktiv für Mitarbeiter und Kunden bleiben. Unterstützt und gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW sowie des Bundes. Daneben gibt es Partnerschaften mit Tischler NRW, Handwerkskammer Dortmund, Fachverband Metall NRW, Handwerkskammer Ostwestfalen Lippe zu Bielefeld, die ihre Expertise zur Verfügung stellen.
Wie Dich das Projekt bei der Digitalisierung unterstützt
Gerade kleine oder mittelständische Unternehmen nimmt die Seite die Informationssuche im genannten Themenbereich ab, was Zeit und Kosten spart. Interessierte können sich durch die Seite klicken und so Informationen zu relevanten Themenbereichen, individuelle Beratung, Online-Seminare und zusätzliche Wissenstools bekommen. Allerdings mit dem regionalen Bezug zum Bundesland NRW.
Eine Wissensdatenbank, um Digitalisierung anwendbar zu machen
In der Sektion Schwerpunkte befindet sich eine kostenlose Wissensdatenbank unterteilt in 8 Themenbereiche, die wichtige Aspekte der digitalen Transformation abdeckt. Darunter
Fördermittel, Prozessmanagement, Digitales Marketing,
Mobiles Arbeiten, Neue Technologien, Digitales Bauen (BIM),
Geschäftsmodelle, Datenschutz und IT-Sicherheit
Gerade im Bereich Fördermittel wird Handwerksunternehmern Sucharbeit abgenommen, da meist gar nicht klar ist, welche Investitionen gefördert werden und welche Summe dabei gespart wird. Zudem machen die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit auf einen Bereich aufmerksam, der oft vernachlässigt wird, allerdings wichtig für den Betrieb und die Attraktivität bei Kunden sein kann.
Bei Fragen einfach nachharken
Wer Fragen zu bestimmten Themen oder Anwendungen im Betrieb hat, wird in der Frage und Antwort-Sektion fündig. Hier beantwortet ein Team aus Experten von Verbänden, Innungen und Kammern möglichst alles, was noch nicht geklärt ist. Zum einen werden bereits gestellt Fragen anonym mit den dazugehörigen Antworten angezeigt. Zum anderen ist es möglich, eigene Fragen selbst zu stellen, die dann persönlich und individuell geklärt werden sollen.
Online Seminare und Infoveranstaltungen für die Praxis
„Facebook effektiv nutzen, Branchensoftware, IT-Recht und Sicherheit, Der Weg zu Fachkräften usw.“
Außerdem können sich Handwerksbetriebe kostenlos zu Info-Terminen anmelden, die sich um das Thema Digitalisierung drehen. Mit dem Vorteil, dass hier auch in Zeiten von Kontaktbeschränkungen direkt nachgefragt und diskutiert werden kann. Im Kalender finden sich fast wöchentlich Chancen auf neues Fachwissen. Darunter Events wie „Facebook effektiv nutzen, Branchensoftware, IT-Recht und Sicherheit, Der Weg zu Fachkräften usw.“
Individuelle Beratersuche mit Digitalisierungscheck
Wer persönliche Beratung sucht, bekommt durch die Beratersuche Hilfe vermittelt. Durch das Angeben der Postleitzahl, den Themenschwerpunkt und das Gewerk bekommen Suchende den passenden Berater auf der NRW-Karte angezeigt. Hierbei kommt die Expertise von Beratern der Handwerkskammern und -Verbände. Möglich macht das die Förderung durch die Wirtschaftsministerien des Landes und des Bundes.
Ein weiteres Tool, um zunächst festzustellen, wie gut der Betrieb bereits aufgestellt ist, gibt es mit dem Digitalisierungscheck. Dieser ist durch die Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum „Digitales Handwerk“ (Mehr Infos hier) und dessen Analysetool möglich. Durch die Beantwortung von individuellen Fragen zum Unternehmen lässt sich eine Übersicht zum Digitalisierungsgrad erstellen. Damit soll ersichtlich werden, wo die Firma bereits gut aufgestellt ist, wo sich Verbesserungen lohnen und welche Bereiche Potenzial für die Zukunft haben. Der Check kann zusammen mit Beratern der Verbände, Innungen und Kammern ausgefüllt werden.
Durchklicken lohnt sich
Es kann sich demnach lohnen, durch die Webseite von Handwerk-Digital.nrw (Zur Website hier entlang) zu klicken und sich im Bereich Digitalisierung kostenlos weiterzubilden. Auch wer nicht in NRW wohnt, wird nützliche Informationen finden, wenn auch die Suche nach Beratern dann wegfällt.
In den Betrieben werden die Baumaterialien knapp, nicht die Aufträge
In diesem Artikel:
Die Probleme der Handwerksbetriebe
Momentan wird es für bestimmte Gewerke, die auf die Baustoffe Holz, Metall, Dämmmaterial oder Farbe angewiesen sind, schwer an solche zu kommen. Immer mehr Betriebe aus den verschiedensten Regionen in Deutschland senden Hilferufe. Entweder verzögert sich durch die Lieferengpässe die Fertigstellung von Aufträgen oder ganze Betriebe müssen durch fehlendes Material in Kurzarbeit gehen und einen Baustopp hinnehmen. Daneben sind die Preise in recht kurzer Zeit stark angestiegen. Somit kann es passieren, dass sich laufende Aufträge für Handwerksbetriebe nicht mehr rechnen. Die Folge sind Verlustgeschäfte, die in Zeiten der Corona-Pandemie doppelt schwer wiegen.
Die Gründe, wie es dazu kommen konnte
Dafür lassen sich verschiedenste Gründe finden, sogar über die Landesgrenzen hinaus. Zum Ersten wurde im Zuge der Corona-Pandemie die Produktion in vielen Herstellerländern der Materialien zurückgefahren. Dabei es davon ausgegangen worden, dass auch die Nachfrage zurückgehen würde. Eingetreten ist dies jedoch nicht. Zudem sind durch bestimmte Beschränkungen an den Landesgrenzen Lieferketten unterbrochen oder erschwert worden, was sich in dem Zuge mit steigenden Preisen oder Lieferengpässen bemerkbar macht.
Zum Zweiten leben wir in einer zunehmend globalisierten Welt mit internationalen Märkten. So wirken sich auch Entwicklungen in anderen Ländern auf den deutschen oder europäischen Markt aus. Durch die Schäden von Wetterkapriolen und das neue geschaffene Konjunkturprogramm in den USA besteht eine hohe Nachfrage nach Baumaterialien wie zum Beispiel Holz, da es ein beliebter Baustoff ist. In dem Zuge haben die amerikanischen Firmen den europäischen Markt für sich entdeckt. Mit Hilfe der Zuschüsse aus den Konjunkturprogrammen können US-Firmen einen deutlich höheren Preis für Material bezahlen. Kleinere Betriebe in Europa können da oft nicht mithalten.
Zum Dritten wird die ganze Situation noch durch fehlendes Holz aus Kanada verschärft. Das Nachbarland der USA gilt als wichtigster Partner für Materialien wie Holz und Co. Jedoch hatte Kanada in jüngster Vergangenheit aufgrund einer Borkenkäferplage mit extremen Verlusten bei der Holzverarbeitung zu kämpfen. Dazu kamen die Wirtschaftsstreitigkeiten in der Amtszeit von Donald Trump. Somit suchen sich US-Betriebe nun verstärkt ihr Material auf dem europäischen Markt zusammen.
Zum Vierten gibt es neben den USA ein zweites Land, das viel Baumaterial aus Deutschland und der EU importiert, nämlich China. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat China die Corona-Krise früh unter Kontrolle bekommen und damit ihre Wirtschaftskraft wieder nahezu vollständig hochgefahren. Die Nachfrage nach Baumaterial in dem sich rasant entwickelnden Land und die Kaufkraft sind damit auf einem hohen Niveau. Das führt dazu, dass in der EU momentan hergestelltes Material häufig exportiert wird.
Zur momentanen Lage der Handwerksbetriebe
Der zentrale Dachdeckerverband in Deutschland (ZVDH) meldet, dass sich der Holzpreis verdoppelt habe.
Aus dem Malerhandwerk melden Verbände Nachrichten von Rohstoff- und Vorprodukt-Herstellern, die im Mai Preiserhöhungen von ebenfalls 50 % ankündigen.
Daneben meldet die Bauindustrie Preissteigerungen bei Stahl um 20 % seit März 2020.
Doch es muss dazu gesagt werden, dass zwar momentan in Deutschland flächendeckend Betriebe betroffen sind, nicht jedoch die Mehrheit. Allerdings lässt sich eine Tendenz aus den Nachrichten der Verbände herauslesen, dass immer mehr Betriebe damit zu kämpfen haben. Wenn dazu noch benötigte Materialien bei verschiedensten Zulieferern “gehamstert” werden wie Klopapier zu Zeiten des ersten Lockdowns, wird das die Situation für Betriebe weiter verschärfen.
Wie sich das Ganze entwickeln könnte
Hier gehen die Meinungen von Experten und Vertretern der Gewerke meist auseinander. Doch eines lässt sich sagen: Von einer kurzfristigen Änderung geht so gut wie niemand aus. Der ZVDH geht von einer eingependelten Lage im Laufe des Jahres aus. An diese optimistische Meinung schließen sich viele Experten an, da durch die fortschreitende Bewältigung der Corona-Situation Lieferketten und Produktionen wieder hergestellt werden. Pessimistische Stimmen kommen eher direkt von betroffenen Handwerksbetrieben, die von mehreren Jahren ausgehen. Zudem mahnen Unternehmen an, im Auge zu behalten, dass sich hohe Preise nicht dauerhaft durchsetzen würden. Gerade wenn sich die Lage am internationalen Baustoffmarkt entspannt hat.
Was kann dagegen unternommen werden kann
Auch wenn Handwerksbetriebe keinen Einfluss auf den internationalen Markt haben, müssen aus dieser Entwicklung Lehren gezogen werden.
So müssen gestiegene Materialpreise mit verständnisvoller Kommunikation an den Endkunden weitergegeben werden, wenn es nicht anders geht.
Zudem könnten “Gleitpreismodelle” mit Zulieferern, wie sie bereits bei großen Bauvorhaben vorkommen, Festpreise vermeiden und für angepasste Rechnungen sorgen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, noch genauer bei der Bestellung von Material hinzuschauen. Auch wenn es bei vielen dynamischen Projekten schwerfällt, könnte ein größeres Lager für Entlastung sorgen.
Neben Ressourcenschonung kann es sich ebenfalls lohnen, mit regionalen Händlern und Herstellern Vereinbarungen zu schließen, damit regionale Kreisläufe gefördert werden.
Unterdessen appelliert das SHK-Handwerk an Industrie und Großhandel, Preiserhöhungen “verträglich” weiterzugeben. Falls die aktuelle Situation Geschehen sich nicht weiter verbessert, werden Stimmen für staatliche Regulierungen und weniger Export lauter werden.







