Angebotserstellung im Handwerk: Abnahmeprotokolle kritisch prüfen und Verbraucherrechte wahren
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Mit Zeit und Aufwand ist die Angebotserstellung ein wichtiges Element, um die Wirtschaftlichkeit eines Handwerksbetriebes zu gewährleisten. Abrechenbare Arbeitszeit sind nicht nur die direkten Arbeitszeiten vor Ort, sondern auch der indirekte Aufwand für das gesamte Drumherum. Gemeint sind damit Verwaltungs- und Buchhaltungsarbeiten vom ersten Kostenvoranschlag über die Angebots- bis hin zur Rechnungserstellung mitsamt der Überwachung des Zahlungseinganges.
Angebot vs. Kostenvoranschlag
Zunächst eine begriffliche Klarstellung zu dem Unterschied zwischen Angebot und Kostenvoranschlag.
Der Kostenvoranschlag ist vergleichbar mit einer ersten Kostenschätzung. Dieser sollte auf jeden Fall die anfallenden Kostenarten enthalten. Deren Höhe wird jedoch eher grob geschätzt als genau und bis ins Letzte durchgerechnet. Bei den Kosten für Art und Umfang der Arbeiten, den Arbeits- und den Materialkosten sowie bei dem Zeitraum handelt es sich immer um eine Schätzung. Das ist der Grund und Anlass für den Zusatz, dass es sich um einen „unverbindlichen“ Kostenvoranschlag handelt. Der Aufwand für die Erstellung eines Kostenvoranschlages wird gemäß § 632 BGB des Bürgerlichen Gesetzbuches „im Zweifel“ nicht vergütet.
Deutlich anders ist die Situation bei einem Angebot. Es ist die Offerte des Unternehmers als Anbieter auf die Anfrage des Kunden als potenziellen Auftraggeber. In dem konkreten Angebot werden im Einzelnen diejenigen Bedingungen und Voraussetzungen festgelegt, unter denen die Handwerkstätigkeit ausgeführt wird. Das Angebot ist von den Kostenarten und den Kostenhöhen her verbindlich. Abweichungen davon sind im Rahmen der Auftragsausführung nur mit vorheriger Zustimmung beider Seiten möglich. Rechtsgrundlagen dafür sind die §§ 145 ff BGB.
Erstellung des Angebotes effektiv gestalten
Dem Unternehmer ist durchaus bewusst, welche Folgen und Konsequenzen sich aus einer Angebotsabgabe und der sich daran anschließenden Angebotsannahme ergeben.
Dementsprechend zeitintensiv gestaltet sich die Angebotserstellung. Schon in dieser Auftragsphase gilt es, möglichst effektiv zu arbeiten. Möglich wird das durch ein Zusammensetzen des Angebotes aus möglichst vielen aktuellen Textbausteinen. Die müssen ihrerseits in einer eigenen Datei sorgfältig gepflegt und laufend aktualisiert werden.
In Tabellenkalkulationsprogrammen lässt sich das Angebot mit Textbausteinen übersichtlich gestalten und mit wenigen Eingaben an den notwendigen Stellen individualisieren. Bei Kostenpositionen wie Arbeitsstunden, Fahrtkosten oder für Materialien werden lediglich die Zahlen für das Angebot aktualisiert; alles andere macht das Programm. Das spart Zeit und vermeidet Rechenfehler.
1. Aufbau und Inhalt
Das Handwerkerangebot muss auf jeden Fall einen offiziellen und seriösen Charakter vermitteln. Ausgedruckt wird es auf den Firmenkopfbogen mit seinem gesetzlich vorgegebenen Informationsgehalt. Das Onlineangebot wird schreibgeschützt, beispielsweise als PDF-Datei verschickt.
Je übersichtlicher und verständlicher es erstellt wird, desto leichter wird dem Auftraggeber die Entscheidung zu einem JA gemacht. Gemeint ist damit eine gängige Schriftart wie Arial in großen Schriftgraden zwischen 12 und 14, die für wirklich jeden lesbar sind.
Der erste Eindruck entscheidet – wenn auch im Unterbewusstsein. Das Angebot wird zunächst optisch und anschließend inhaltlich wahrgenommen. Stimmt die Optik nicht, dann kann es im schlechtesten Fall dazu führen, dass der Kunde sich nicht mit dem Inhalt befassen will oder die Optik unbewusst die Entscheidung des Kunden negativ beeinflusst.
2. Kostenarten und -höhen
Kund:innen interessiert, wie viel sie für was bezahlen sollen.
Im Fokus eines transparenten Angebotes stehen alle anfallenden Kostenarten. Hier darf auch deswegen nichts fehlen, weil im Anschluss an die Angebotsannahme ohne das OK des Kunden keine weiteren Kostenarten nachgeschoben werden können.
Ähnlich verhält es sich mit den Kostenhöhen: Der Unternehmer muss davon ausgehen, dass der Kunde zu Vergleichszwecken mehrere Angebote einholt. Je einfacher die Höhe der einzelnen Kostenarten nachvollziehbar ist, desto vertrauenswürdiger wirkt das Angebot.
Keine oder nur wenige Rückfragen bewirken bei potenziellen Kund:innen ein hohes Maß an Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Anbieters. Sie gewinnen den Eindruck, dass ihnen als Laien nichts verheimlicht und dass mit Nichts hinterm Berg gehalten wird. Für das Ausweisen der Mehrwertsteuer empfiehlt sich die Formulierung „jeweils gesetzlich gültig“.
3. Auf Verbraucherrechte achten
Verbraucher:innen als Kund:innen beziehungsweise Auftraggeber:innen haben naturgemäß eine ganz andere Sichtweise auf den Kostenvoranschlag beziehungsweise das Angebot. Für sie gelten die zurzeit aktuellen Verbraucherschutzbestimmungen (Stand Juni 2014). Darin werden unter anderem das Widerspruchsrecht und Ausnahmen davon oder die Informationspflichten des Handwerkers geregelt.
Darüber hinaus haben Verbraucher:innen Ansprüche aus Garantie und aus Gewährleistung in Bezug auf Materialien sowie die erbrachte Handwerks-/Dienstleistung.
Im Übrigen möchte und müssen sich Verbraucher:innen vor unlauteren bis hin zu dubiosen Angeboten schützen können. Das Abnahmeprotokoll nicht zu unterzeichnen ist für sie der beste Schutz. Unternehmer:innen muss eine angemessene Frist zur Mängelbeseitigung gewährt werden. Sofern es zu keiner Einigung im direkten Kontakt kommt, empfiehlt sich der Weg zur Schlichtungsstelle der örtlich zuständigen Handwerkskammer.
Wichtiger Hinweis: Die Rechte des Kunden als Auftraggeber sind die Pflichten des Unternehmers als Auftragnehmer. Je gewissenhafter er arbeitet, desto weniger Spielraum bleibt umgekehrt dem Verbraucher für die Bemängelung der Handwerksleistung.
4. Praktische Tipps für Unternehmer:innen
Die Erstellung von Angeboten und Kostenvoranschlägen ist ein entscheidender Schritt zwischen dem Generieren und dem Ausführen von Handwerksaufträgen. Auch wenn Handwerksmeister von Haus aus keine reinen Bürokraten sind, sondern Angehörige eines handwerklichen Berufsstandes, geht es dennoch nicht ohne Büro und Verwaltung. Den Aufwand zum Angebot erstellen, gilt es zu minimieren und möglichst effektiv zu gestalten.
Vorlagen, Textbausteine und Rechenprogramm sparen Zeit und vermeiden Kalkulationsfehler
Transparenz sowie Nachvollziehbarkeit von Zahlen, Daten und Fakten schaffen Vertrauen
Einpreisen des eigenen Verwaltungsaufwandes in den Stundensatz
Rechte des Verbrauchers als Pflichten des Unternehmers beachten und berücksichtigen
Benennung der Bindungsfrist für das Angebot mit Datum und Wochentag
klare Definition über Verbindlichkeit oder Unverbindlichkeit des Angebotes
Klarheit, Übersichtlichkeit sowie optischer Eindruck heben die Wertigkeit des Angebotes
Hinweis auf die Notwendigkeit einer Nachkalkulation bei nicht erfassten Kostenarten oder bei Kostenüberschreitungen
Fazit
Als Resümee bleibt für Handwerksunternehmer:innen festzustellen, dass ein Angebot zu erstellen einerseits kein Hexenwerk ist, andererseits jedoch durchaus aufwendig sein kann. Die ideale Möglichkeit, um das Angebot zu einem verbindlichen Auftrag und insofern zum Vertrag machen, ist die Unterzeichnung durch den Kunden mit Ort, Datum und händischer Unterschrift. Eine Ausfertigung verbleibt bei der Unternehmer:in, die zweite Ausfertigung des Angebotes bekommt die Handwerker:in.
Fünf Tipps für Handwerksbetriebe, um Preise richtig zu präsentieren
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Jeder kennt es: Statt zwei Euro kostet die Zahnbürste 1,99 Euro, zudem prangt der Preis auf einem großen roten Schild mit dem Stichwort „Sale“, obwohl gar nichts heruntergesetzt wurde. Preispsychologie nennt sich das und hat gleich zwei wichtige Aufgaben: Einerseits sollen Kunden zum Kaufen verleitet, andererseits hohe Preise durchgesetzt werden. Auch im Handwerksbetrieb kannst Du auf verschiedene Kniffe setzen, um über den Preis mehr Kunden zu gewinnen. Welche das sind, haben wir für Dich im Blogbeitrag zusammengefasst.
Nicht über Preise, sondern über Bedürfnisse verkaufen
Clever präsentierte Preise können für oder gegen Dich sprechen – auch mit Tricks. Deshalb sollte der Preis im ersten Moment gar nicht zur Sprache kommen. Wenn Du versuchst, per Preisvorteil Deine Kunden zu überzeugen, musst Du im Optimalfall einerseits günstig sein, andererseits über eine allgemeingültige Preisliste verfügen. Doch selbst Bestpreise werden mit der Konkurrenz verglichen, bis früher oder später ein noch günstigeres Angebot gefunden wird.
Überzeuge Deine Kunden lieber, indem Du auf ihre Bedürfnisse eingehst und die Mehrwerte Deiner Dienstleistung hevorhebst. Zum Beispiel: Klemmt die Tür, bist Du nicht der Günstigste, sondern der Erste und Schnellste. Gerne kannst Du dabei auch mit Kommunikationsbotschaften nach dem Prinzip „günstige Preise bedeuten ein hohes Risiko“ arbeiten.
Normale Dienstleistungen verkaufen sich über den Preis, Premium-Dienstleistungen über die Bedürfnisse.
Hohe Preise splitten
setzen sie sich jedoch nur aus einem Posten zusammen. Wirb daher mit einem Vorteil, der aus Deiner Sicht Deine Leistungen besonders macht. So kannst Du zum Beispiel die kostenlose Anfahrt hervorheben oder auf einen Stundensatz von „nur 49 Euro“ setzen. Der endgültige Preis ergibt sich ohnehin erst aus der Rechnung und bedarf Deiner Kalkulation.
Doch auch abgespeckte Dienstleistungen mit geringerem Preis können als Ankerpunkt dienen. So gestalten es zum Beispiel Airlines: Der Flug nach Budapest kostet vielleicht nur 29 Euro, ist jedoch mit einem Umstieg verbunden und Freigepäck ist sowieso nicht inbegriffen. Am Ende bezahlen nur die wenigsten Passagiere wirklich nur 29 Euro, geflogen wird dennoch mit genau dieser Airline, schließlich wurde das Ticket schon gebucht.
Falls Du mit Ratenzahlungen arbeiten kannst, dienen die einzelnen Raten oder die niedrigen Zinsen als Ankerpunkt.
Die Tricks der Preispsychologie
Um Kunden zu überzeugen, ist Psychologie das A und O. Nicht alle Mittel der Preispsychologie lassen sich jedoch auf alle Branchen anwenden.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die allseits berühmte 99. Im Einzelhandel ist diese auf fast jedem Preisschild zu finden, daher gilt sie als besonders bekanntes Mittel der Preispsychologie. Setze sie eher sparsam und nur bei Sonderangeboten ein. Schließlich erwarten Kunden von Dir eine seriöse Kalkulation, keine manipulative Preisgestaltung.
Auch Worte haben bei der Wahrnehmung von Preisen viel Gewicht: In einem Angebot von hoher Zufriedenheit zu sprechen, ist wegen des Wortes „hoch“ besonders kritisch. Sprichst Du dagegen von der niedrigen Reklamationsquote, übertragen Leser das Wort „niedrig“ auf den Preis.
Verfügst Du über zwei verschiedene Dienstleistungen und willst die höherpreisige verkaufen, füge eine noch teurere Version hinzu. Plötzlich werden Kunden den nun zweitteuersten Preis als fair erachten, schließlich verspricht er das beste Verhältnis aus Preis und Leistung.
Kunden nicht unter Druck setzen
Künstliche Verknappung verleiht Handwerker:innen mehr Aufträge? Das ist in der Tat eine Fehleinschätzung. So haben Studien gezeigt, dass es Kund:innen eher abschreckt, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Es vermittelt dabei eher den Anschein, dass ein Kunde unerwünscht ist, wenn er nicht jetzt sofort bucht.
In einem Ausnahmefall kann die künstliche Verknappung von Zeit und Menge nützlich sein: Da Kund:innen mit einer deutlich gesunkenen Wahrscheinlichkeit mit der Konkurrenz vergleichen werden, lassen sich so besonders hohe Preise durchsetzen.
Nachlässe gewinnen gegen Aufpreise
Höhere Kosten an Feiertagen, Wochenenden sowie in der Nacht zu berechnen, ist normal. Ein Phänomen ist allerdings, dass der meiste Reparaturbedarf ausgerechnet außerhalb der üblichen Dienstzeiten entsteht. Dass die Arbeit am Wochenende 50 Prozent mehr, in der Nacht sogar 75 Prozent mehr kostet, wirkt auf Kund:innen jedoch abschreckend.
Sollten Kund:innen Dich dennoch beauftragen, weil die Not vorhanden ist, werden sie es sich beim zweiten Mal vielleicht jedoch anders überlegen. Doch was würde passieren, wenn Du bei der Preisgestaltung nicht Zuschläge rechtfertigen musst, sondern Nachlässe bewirbst? Das funktioniert, indem Du die höheren Preise als Ausgangspunkt festlegst.
Plötzlich ist die Arbeit am Wochenende nicht mehr 50 Prozent teurer, sondern in der Woche 33 Prozent günstiger. Kund:innen werden Dich dennoch am Sonntag beauftragen, wenn der Rohrbruch eben nicht mehr warten kann. Nur wird für sie der Preis nicht mehr zum Ärgernis, auch beim nächsten Schaden setzen sie auf Deine Hilfe.
Bündel richtig einsetzen
Eine Dienstleistung kommt selten allein: Anfahrt, Arbeitsleistung, Material und Co in einem Preis zu bündeln, ist jedoch nur bedingt sinnvoll – und zwar immer dann, wenn Du einen Nachlass anbietest. Statt einen Gesamtrabatt von 80 Euro erhalten Kund:innen so zum Beispiel 20 Euro Nachlass auf Dienstleistung A, 45 Euro auf Dienstleistung B und 15 Euro auf Dienstleistung C. Gleich dreimal zu sparen, hört sich für Kund:innen deutlich attraktiver an – auch wenn der Nachlass insgesamt konstant bleibt.
Genau andersherum funktioniert dies bei Preiserhöhungen: Logisch, eine Preissteigerung fühlt sich weniger schlimm als viele kleine “Teuerungen” an. Bleibe bei Preisänderungen zudem konkret. Kunden möchten nicht hören, wie viel Geld sie maximal sparen können, sondern wie viel sie tatsächlich weniger bezahlen.
Fazit
Als Dienstleister:in bist Du nicht dazu gezwungen, auf Preise zu setzen, die aus der marktüblichen Kalkulation hervorgehen. Auch teure Preise kannst Du durchsetzen, indem Du sie richtig verkaufst. Nutzt Du die oben genannten Kniffe, kannst Du schon im Angebot Deine Preise richtig präsentieren, bevor Du das erste Mal überhaupt mit dem Kunden gesprochen hast.
Wie viel ist mein Handwerksbetrieb eigentlich wert?
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Die Altersvorsorge ist in letzter Zeit zu einem zentralen Thema geworden – nicht nur in der Handwerksbranche. Auch der Staat warnt mittlerweile davor: Die staatliche Rente wird in den meisten Fällen nicht reichen, um den gewohnten Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten. Viele Unternehmer:innen sehen den eigenen Betrieb als Vorsorgeposten und planen einen Verkauf bzw. eine Übergabe. Deshalb erfährst Du im Folgenden:
Wie kann der Unternehmenswert ermittelt werden?
Wer unterstützt mich bei dem Ganzen?
Und welche Faktoren beeinflussen eigentlich den Wert meines Betriebes?
Vorsorge für Unternehmer:innen
Wie viel Geld Du nach dem Berufsleben einmal benötigen wirst, hängt von vielen Faktoren ab und ist vollkommen individuell. Das oft angesprochene “Rentenloch” – also der Unterschied zwischen der gesetzlichen Rente und dem eigentlich benötigten monatlichen Geldbetrag, um den Lebensstandard aufrechtzuerhalten, können Handwerksunternehmer:innen mit verschiedenen Mitteln schließen (oder zumindest minimieren):
Private Lebens- und Rentenversicherungen
Kapitalvermögen bzw. -einnahmen (z. B. aus Wertpapieren und anderen Anlagen)
Sparprodukte wie Sparbücher und Bausparverträge
Neben diesen “klassischen Vorsorgemöglichkeiten” stellt für die meisten Unternehmer:innen aber der Erlös aus dem Verkauf des Betriebes den wichtigsten Baustein der Absicherung im Alter dar.
Verkauf des Betriebes zur Absicherung im Alter
Trotz der Tatsache, dass der Erlös aus einem späteren Verkauf des Betriebes oft essentiell für die Vorsorge im Alter ist, haben nur die wenigsten Handwerker:innen eine Idee, wie viel ihr Unternehmen eigentlich wert ist. Eine Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) unter Handwerksbetrieben hat ergeben, dass gar nur 22 Prozent der Handwerksunternehmer:innen schon einmal eine Unternehmensbewertung haben durchführen lassen. Gezählt wurden bei dieser Befragung übrigens nur jene Inhaber, die in den kommenden fünf Jahren eine Übergabe geplant hatten.
Der Verkauf ist zwar der wichtigste Schritt, oftmals aber nur der erste. In den meisten Fällen ist es die klügste Entscheidung, das dadurch erwirtschaftete Kapital nicht einfach auf dem Konto liegenzulassen. Vielmehr solltest Du eine möglichst gute Verzinsung bei hoher Verfügbarkeit des Geldes anstreben. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein kompetenter Finanz- oder Anlageberater kann Dir hier am besten weiterhelfen.
Aber gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Bevor an eine Veranlagung überhaupt gedacht werden kann, musst Du selbstverständlich klären, mit wie viel Geld Du überhaupt rechnen kannst.
Ermittlung des Ertragswertes beim Verkauf
Grob zusammengefasst gibt es zwei Möglichkeiten, den Unternehmenswert zu bewerten. Die Untergrenze bildet der sogenannte Substanzwert. Dieser wird ermittelt, indem die aktuellen Zeitwerte des gesamten Inventars (Geräte, Maschinen, Kraftfahrzeuge und sonstige Ausstattung) zusammengerechnet werden. Auch das Betriebsgebäude zählt natürlich zum Substanzwert. Dieser stellt also den Wert im Falle einer Liquidierung des Unternehmens dar. Das bedeutet: Wenn Du alle zum Betrieb gehörigen Gegenstände, Geräte usw. verkaufst, dann bekommt Du den Substanzwert.
In den meisten Fällen ist der Substanzwert nicht wirklich aussagekräftig. Viel wichtiger ist die Bestimmung des Ertragswertes mittels der sogenannten AWH-Methode (kommt von “Arbeitsgemeinschaft der Wertermittelnden Betriebsberater im Handwerk”). Hierbei wird versucht, aufgrund der Gewinne der letzten Jahre, eine bestmögliche Prognose für die Zukunft abzugeben. Dem wird aber schließlich noch ein Teil abgezogen, um verschiedene Risikofaktoren einzukalkulieren (z.B. Inhaberabhängigkeit oder Personalsituation). Ebenfalls abgezogen werden einige kalkulatorische Kosten, um beispielsweise für den Unternehmerlohn aufzukommen.
Und wer hilft mir nun dabei?
In den vorhergehenden Absätzen hast Du schon Einiges zum Verkauf bzw. zur Wertermittlung Deines Handwerksunternehmens gehört. Selbstverständlich sind das alles nur Ansätze, für eine genaue Beschreibung ist das Thema einfach viel zu umfangreich und zu individuell. Außerdem müsstest Du wahrscheinlich in einem früheren Leben in der Buchhaltung tätig gewesen sein, um diese Dinge wirklich ordnungsgemäß durchzuführen. Entsprechend kann es durchaus sinnvoll sein, hier die Hilfe eines Profis mit entsprechender Erfahrung in Anspruch zu nehmen. Eine gute Anlaufstelle dafür sind die Verbände und Organisationen mit eigens geschulten Beratern. Auch die Handwerkskammern oder der ZDH können Dir hier weiterhelfen, um Dir kompetente Berater:innen zur Seite stellen.
Checkliste für eine optimale Bewertung Deines Betriebes
Nachdem Du die groben Grundzüge zum Thema der Unternehmensbewertung und des Verkaufs zur Altersvorsorge gelernt hast, geben wir Dir noch einige Beispiele für Punkte, die den Wert Deines Unternehmens positiv oder negativ beeinflussen können:
Anlagevermögen und -güter: Hier geht es vor allem um den zuvor angesprochenen Substanzwert. Je moderner und generell hochwertiger Deine Geräte und Ausstattung sind, desto höher ist dieser, was natürlich insgesamt den Wert Deines Betriebes hebt.
Lieferanten- und Kundenstruktur: Klar, je besser das Verhältnis zu Deinen wichtigsten Kunden und Zulieferern ist, desto besser lassen sich Einnahmen und Ausgaben in der Zukunft abschätzen. Hier ist andererseits aber eine mögliche Abhängigkeit von wenigen Großkunden und Lieferanten eher schlecht.
Mitarbeiter:innen bzw. Fachkräfte: Solltest Du nicht gerade Einzelunternehmer:in sein (wovon wir hier nicht ausgehen, da ein Verkauf des Betriebes sonst schwierig wäre), dann sind Deine Mitarbeiter:innen Deine wertvollste Ressource. Je mehr erfahrene Fachkräfte Du (langfristig) in Deiner Belegschaft hast, desto besser.
Abhängigkeit vom von Dir: Besonders kleinere Betriebe haben das Problem, zu sehr von der Führungsperson abzuhängen. Wer langfristig denkt und eine zusätzliche Führungsebene (vielleicht mit einem Stellvertreter:in) einbaut, der profitiert beim Verkauf.
Diese Liste ist natürlich keinesfalls vollständig, sondern soll Dir nur einige Aspekte nennen, was bei der Bewertung Deines Unternehmens wichtig sein kann. Weitere Infos und Tipps hierzu und generell zum Thema bekommst Du beispielsweise bei den oben angesprochenen Verbänden und Organisationen sowie bei der Handwerkskammer.
Fazit
Zusammengefasst kann man sagen, dass das Thema des Betriebsverkaufs zum Zwecke der Absicherung im Alter – besonders bei viel beschäftigten Handwerksunternehmer:innen – gerne im Tagesgeschäft untergeht. Wer plant, in den nächsten Jahren in Rente zu gehen, der tut gut daran, sich im Voraus Tipps und Hilfe zu holen oder sich zumindest über die Möglichkeiten zu informieren.






