Prozesse im Handwerk mit der Turtle-Methode analysieren
In diesem Artikel:
Die Vorteile der Turtle-Methode
Die Methode, die ihren Namen einer Schildkröte verdankt, kann dazu beitragen, mehr Informationen und konkrete Daten über einen Arbeitsprozess zu sammeln. Die daraus gewonnenen Analyse-Erkenntnisse, dienen als Entscheidungsgrundlage für die folgende Prozessoptimierung. Dabei lassen sich wichtige Vorteile der Analysemethode ausmachen. Zum einen zeigt sie die Ziele des Prozesses auf. Zum anderen zeigt sie die Ressourcen auf, die für den Prozess benötigt werden. Noch dazu kann sie dafür sorgen, dass Zusammenhänge im Job besser freigelegt werden. So lässt sich zum Beispiel mit der Analyse feststellen, wer eigentlich alles am Prozess beteiligt ist. Anhand der folgenden sieben Fragen lässt sich die Methode anwenden und damit Prozesse optimieren.
Was ist zu tun?
Hierbei kann sich das Fragengebilde an einem Flipchart vorgestellt werden. Alle sieben Fragen ergeben zusammen den Körper einer Schildkröte. Daher der Name der Methode. Die erste Frage steht dabei im inneren der Schildkröte. Denn vorab gilt es zu klären, welchen Prozess im Handwerksunternehmen analysiert werden soll. Was in Betracht kommt, muss an der Stelle muss jeder für sich selbst entscheiden. Das bildet die Grundlage für die weiteren Fragen.
Warum wird das Ganze gemacht?
Bei der zweiten Frage geht es um das Thema Input. Was soll der Prozess am Ende leisten? Warum wird sich dazu entschieden den Aufwand der Prozessanalyse durchzuführen? Ein praktisches Beispiel wäre die Kundenanforderung als Input. Diese Frage steht links vor der ersten Frage und stellt somit den Kopf dar.
Was ist das Ergebnis dieses Prozesses?
Werden die ersten zwei Fragen beantwortet, kommt logischerweise ein Ergebnis heraus, was die nächste Frage darstellt. Dabei handelt es sich um den Output und wie dieser Aussehen kann. Als Beispiel könnte in dem Fall die Kundenzufriedenheit dienen. Wie kann Kundenzufriedenheit aussehen? Wie komme ich dahin und in welchem Maße soll sie durch das Handeln erreicht werden? Daher kommt die Frage rechts neben die erste Frage an das Ende der Schildkröte.
Womit ist es zu tun?
Als Nächstes gilt es zu klären mit welchen Arbeitsmaterialien, welchem Equipment und welchen Ressourcen benötigt werden, um den Prozess durchzuführen. Die Frage nach „Womit?“, stellt das Erste von vier Beinen dar, welche für den Fortschritt sowie Stabilität des Prozesses stehen sollen.
Wer macht es?
Die fünfte Frage bezieht sich das „Wer“. Welche Handwerker benötige ich zu diesem Prozess? Welche psychischen und physischen Anforderungen sowie soziale Kompetenzen werden dafür benötigt? Auch hier handelt es sich um ein Bein an der Seite der Schildkröte.
Wie wird es gemacht?
Hier stellt sich die Frage nach der angewendeten Methode beziehungsweise Maßnahme. Zum einen gibt die jeweilige Handwerkskammer vor, was für den Prozess gebraucht wird und wie das auszusehen hat, welche Dokumente und Zertifikate werden benötigt. Zum Zweiten ist es wichtig, die richtige Methode zu wählen, um die Arbeitsprozesse fehlerfrei durchzuführen.
Wofür machen wir es?
Die wichtigste Frage zum Schluss. Hier stecken Kennzahlen und Kostenrechnungen drin sowie die Frage: Wie kann ich den Arbeitsprozess messbar machen? An dieser Stelle ist es wichtig zu wissen, ob es bei der Arbeit um Quadratmeterzahlen, Akkordarbeit oder Arbeitsstunden geht. Beim letzten Bein der Schildkröte wird demnach probiert, Kosten und Nutzen gegenüberzustellen.
Der Rat des Experten an Handwerksunternehmen.
Laut Thomas Könecke, können mit diesen sieben Fragen jeden Tag wichtige Prozesse in Ihrem Unternehmen analysiert und optimiert werden, bevor sie auf eine kostspielige Prozessberatung zurückgreifen. Außerdem empfiehlt der Experte, dass sich immer eine Person um die Turtle-Methode kümmern sollte, um die Prozesse dauerhaft im Auge zu behalten.
11 Fehler bei der Auftragskalkulation im Handwerk
In diesem Artikel:
- Der Fehler mit der Zuschlagskalkulation.
- Rohgewinn und Mindestrohgewinn pro Stunde – Zwischen Tradition und Moderne
- Stolperstein 2 – der kalkulatorisch angemessene Unternehmenerlohn
- Stolpersteine 3 und 4 – Mitarbeiter aus der Familie und kalkulatorische Raumkosten
- Stolpersteine 5 und 6 – Rücklagen und Tilgung von Krediten
- Stolperstein 7 – die Null Gewinn-Steuer
- Von den Stolpersteinen zur praktischen Anwendung
Aus der nun 20-jährigen Arbeitserfahrung kann Daniel Habich mit seinem Kalkulationskonzept sagen: „Wer das Konzept so umsetzt, kann mindestens 20 % mehr Gewinn oder 1 % mehr Umsatzrendite im Jahr erwarten.“
Der Fehler mit der Zuschlagskalkulation.
Bei der Zuschlagskalkulation werden die Arbeitsstunden mit Stundenverrechnungssatz getrennt vom Materialeinkauf mit Zuschlag kalkuliert. Das Problem für den Experten hierbei, der Handwerker weiß nie, ob er oder der Kunde beim Vertrag besser wegkommt. Zudem zeigt die Erfahrung meist, wer die Zuschlagskalkulation falsch anwendet, macht meist mehrere Fehler gleichzeitig. Ob das bei ihrem Handwerksunternehmen auch zutrifft, lässt sich anhand von vier Fragen abschätzen. Sind die Kosten der Materialverwaltung bekannt? Kann der jährliche Materialverbrauch verlässlich vorausgesagt werden? Ist der Materialaufwand bei jedem Auftrag annähernd identisch? Bleiben die Materialverkaufspreise durch den Internethandel konstant?
Werden mehr als eine von den Fragen mit „Nein“ beantwortet, rät Habich, die Zuschlagskalkulation genauer unter die Lupe zu nehmen. Der nächste Fehler bezieht sich auf die Entscheidung zwischen aussichtsreichen Verträgen.
Rohgewinn und Mindestrohgewinn pro Stunde – Zwischen Tradition und Moderne
Werden zwei Aufträge wie im Video beschrieben mit einander verglichen, spielt der Rohgewinn pro Stunde eine entscheidende Rolle. Der Gewinn errechnet sich dabei aus der Gewinnsumme minus Material- und Mitarbeiterkosten. Traditionell entscheidet sich der Handwerker für den Auftrag mit dem höchsten Gewinn. Doch aus moderner Sicht und in Zeiten des Fachkräftemangels, kann die Entscheidung anders ausfallen. Hier macht es Sinn, den Auftrag zu wählen, bei dem am wenigsten Mitarbeiterkosten benötigt werden und dafür auf einen höheren Gesamtgewinn zu verzichten.
Im Weiteren muss auf den Mindestrohgewinn pro Stunde geachtet werden. Also die Frage, ab wann mache ich Geld? Dafür muss bekannt sein wie viel Arbeitsstunden pro Jahr mindestens verrechnet werden können. Laut Experte Daniel Habich, wissen 95 % der Handwerksbetriebe nur über ihre produktiven Stunden Bescheid. Werden aber mehr Stunden gebraucht als geplant und nur die produktiven Stunden in der Kalkulation beachtet, wackelt diese durch unvorhersehbare Kosten.
Stolperstein 2 – der kalkulatorisch angemessene Unternehmenerlohn
Werden die Leistungen und Entlohnungen der Handwerksunternehmer mit anderen Branchen verglichen, sind Unternehmer im Handwerk häufig unterbezahlt. Eigentlich sollte der Kunde die Leistung adäquat bezahlen und ein Unternehmenslohn von mindestens 75 000 Euro pro Jahr erwirtschaftet werden. Alles darunter hat bei der Bewertung des Unternehmenswertes der Handwerkskammer keine große Bedeutung. Soll der Betrieb also in Zukunft lukrativ verkauft werden, gilt es darauf zu achten, sonst drohen böse Überraschungen.
Stolpersteine 3 und 4 – Mitarbeiter aus der Familie und kalkulatorische Raumkosten
Häufig werden Mitarbeiter aus der Familie im Unternehmen eingestellt. Dann arbeitet beispielsweise die Ehefrau einen ganzen Arbeitstag, wird aber nur für ein halben entlohnt. Das ist laut Experte „Quatsch“, denn jeder Mitarbeiter hat eine Wertschätzung durch angemessene Bezahlung verdient. Selbes gilt auf der Gegenseite für überbezahlte Familienmitglieder. Hier muss ehrlich geblieben werden. Auch bei den kalkulatorischen Raumkosten. Es sollten nur Mieten in der Kalkulation angegeben werden, die auch von einem Fremden verlangt worden wären. Das gilt natürlich nur für Unternehmer, die ihre Firma auf Eigentum betreiben.
Stolpersteine 5 und 6 – Rücklagen und Tilgung von Krediten
Jedes Handwerksunternehmen sollte sich angemessene Rücklagen schaffen. Angemessen sind sie dann, wenn die Abschreibungen in der Kalkulation erwirtschaftet werden. Abschreibungen schmälern kalkulatorisch gesehen den Gewinn und zeigen auf, wie viel weniger das Firmenvermögen Jahr für Jahr wert ist. Eigentlich sollte das Firmenvermögen ja mindestens konstant sein. Genauso sollten Handwerksunternehmer bei der Tilgung von Krediten aufpassen. Oft fressen die Tilgungen unsichtbar den Gewinn weg. Dabei dürfen Tilgungen laut Experten nicht steuerlich abgesetzt werden, sondern müssen in die Kalkulation einfließen. Gewinnmindernd sind eigentlich nur die Zinsen der Kredite. Vom Gewinn sollen allerdings die Kredite zurückbezahlt werden. Deswegen ist hier Vorsicht geboten, denn die Tilgungen können der Grund des Kontoproblems sein.
Stolperstein 7 – die Null Gewinn-Steuer
Der Name klingt verwirrend. Eigentlich gilt doch, wenn kein Gewinn gemacht wird, kann es doch keine Steuer geben. Sind die Betriebe allerdings als Einzelunternehmen und nicht als GmbH gemeldet muss aufgepasst werden. Dann müssen vom Gewinn die Privatentnahmen (Unternehmerlohn von mindestens 75 000 Euro), Tilgungen und Co. abgezogen werden. Auf den am Anfang angegebenen Gewinn zahlt der Betrieb allerdings trotzdem Steuern, wenn nicht aufgepasst wird.
Von den Stolpersteinen zur praktischen Anwendung
Werden alle Stolpersteine beachtet, bietet Daniel Habich ein unterstützendes Tool zur Kalkulationserstellung an, um das Theoretische zur praktischen Anwendung zu bringen. Das sogenannte „Rechenfuxx“-Tool bringt drei hilfreiche Funktionen mit sich. Zum einen den Kalkulationskonfigurator. Dieser ermittelt durch das Frage-Antwort-Prinzip in 20 Minuten eine fundierte Kalkulationsgrundlage für den Betrieb, ohne jemals ein Wirtschaftsstudium absolviert zu haben. Zum Zweiten bietet das Tool ein Ampelsystem für Angebote und Rechnungen an und checkt diese auf mögliche Fehler. Dabei werden maximal 4 Fragen gestellt bevor rot, gelb oder grün aufleuchtet. Als Letztes bietet der Rechenfuxx ein Rankingsystem an. Bei diesem werden die angegebenen Aufträge nach den sinnvollsten kategorisiert. Am sinnvollsten gelten die Verträge mit dem höchsten Gewinn pro Arbeitsstunde. Somit dient die Funktion als Entscheidungshelfer bei einer Fülle von Aufträgen.
Wie man für seine Kunden einen Mehrwert bei Angeboten generiert
Was Du in dieser Lektion lernen wirst:
Wenn Handwerker für die Beratung Geld verlangen
Immer mehr Handwerksbetriebe denken darüber nach für Dienstleistungen zusätzlich Geld zu verlangen. Das bedeutet, dass neben der eigentlichen handwerklichen Tätigkeit, außerdem Bereiche wie Beratung, Service und Kompetenz vergütet werden. Ansonsten fließen zunehmend kostenlose Dienstleistungen in das handwerkliche Produkt mit ein. Kurz gesagt, geht es hierbei um das wirtschaftliche „Überleben“ eines Betriebes. Dabei ist es hilfreich, einen Mehrwert aus seinem Angebot zu generieren. Beispielsweise, wenn ein Handwerker für seine Beratung Geld verlangt. Erste Überlegungen wären in diesem Sinne: Welcher Mehrwert wird zum Produkt angeboten? Für welchen Mehrwert ist der Kunde bereit, zusätzlich Geld auszugeben? Daraus kann eine Win-Win Situation entstehen, weil der Kunde zum Beispiel eine ausführliche und individuelle Beratung bekommt. Im Gegenzug bekommt der Handwerker eine angemessene Bezahlung.
Wie kann das umgesetzt werden?
Als kleiner Denkanstoß soll an dieser Stelle ein Vergleich dienen, um den Gedanken des Mehrwertes zu verdeutlichen. In einem Restaurant ist das gute Essen die Grundlage, aber das „Drumherum“ bietet den Mehrwert. Dieser schlägt sich beispielsweise im Service, der Atmosphäre und der Produktpräsentation nieder. Daher ergeben sich auch unterschiedliche Preisspannen. Dieses Prinzip kann auf den Handwerksbetrieb übertragen werden. Das Handwerk steht für jedes angebotene Produkt ein Stück weit auch mit seinem Ruf. Das kann genutzt werden und das Drumherum aufzubauen. Ganz nach dem Motto: wir verkaufen einzigartige Geschichten und das Produkt bekommt der Kunde mit dazu. Damit geht es weg vom Vergleichbaren und hin zum Einzigartigen.
Welchen Mehrwert gibt es im Handwerk?
Als Erstes wäre dort die Regionale Marke zu nennen. Bei uns kann der Kunde fast immer vorbeischauen und sich Vorort ein Bild vom Betrieb und dem Produkt machen, erzählt Brack. Außerdem stecken hinter allen Produkten auch Menschen, mit denen der Kunde meistens direkt kommunizieren kann. Das lässt die Arbeit nicht zum anonymen Prozess werden und schafft Vertrauen. Oft berät der Chef sogar noch selbst. Dazu bietet das Handwerk eine lange Tradition in Sachen Kundenbeziehungen und schafft durch ausgereifte Arbeitsschritte Sicherheit. Hierbei schwingt auch eine wichtige Komponente für die Kunden mit. Die Sympathie für den Handwerksberuf als ehrliche Branche. Als Nächstes wäre der hohe Service für den Auftraggeber zu nennen. Dabei geht es nicht nur um das Handwerksprodukt, sondern auch um die zusätzlichen Dienstleistungen, wie Aufmaße, Planungen, Grobkonzepte oder telefonische Beratungen. Das alles kann in die Überlegungen zum eigenen Betrieb mit einfließen. Wichtig ist nur, sich wirklich Zeit zu nehmen und sich darüber Gedanken zu machen, wie aus dem Angebot ein Mehrwert generiert werden kann.
Wie gehe ich konkret vor?
Am einfachsten ist es beim nächsten Auftrag alle Leistungen von der Beratung an konsequent mitzuschreiben bei einem Stundenlohn von zum Beispiel 90 Euro. Dabei ist es übersichtlicher die Leistungen anschließend in Konzeption, Durchführung/Begleitung und Ausführung zu unterteilen. Damit lässt sich ein guter Überblick schaffen, welche bisher unbezahlten Dienstleistungen in die handwerkliche Arbeit einfließen. Diese Übersicht kann problemlos als Baustein in die elektronische Datenverarbeitung (kurz EDV) eingebunden werden. Bei den nächsten Aufträgen ist es dann möglich, die Übersicht an das Angebot anzuheften. Somit ist es für den Kunden besser verständlich, welcher Arbeitsaufwand zu den Dienstleistungen gehört. Am Schluss können mehrere Geschäftsbereiche eingeführt und um das Produkt aufgebaut werden. Dazu gehören Planung, Konzeption, Abrechnung und Koordination.
Die Umsetzung am Beispiel der Firma Brack
Das Konzept der Firma Brack Wintergarten fängt bei der ersten Kontaktaufnahme an. Bereits bei der Anfrage des Kunden, wird der Bedarf bereits so gut es geht ermittelt. Das geschieht mit einem speziellen Onlinetool, das wichtige Informationen über den Auftraggeber abfragt. Der anschließende Ersttermin findet möglichst immer im Firmensitz statt. Hierbei können die Mitarbeiter des Unternehmens oder andere bereits fertige Projekte dem potenziellen Kunden präsentiert werden. Das soll ein „Haben“- Gefühl beim Auftraggeber vermitteln und zeigen, wie im Betrieb gearbeitet wird. Als Nächstes gilt es bestmöglich das Budget einzugrenzen. Gut klappt das mit Beispielbildern von Fertigem oder Planungsobjekten, mit dazugehörigen Preisen. So kann wird direkt ermittelt ob Kundenvorstellung und Angebot beieinander liegen oder es dort Diskrepanzen gibt. Zudem werden die Planungsaufträge immer mit Vorteilen kommuniziert. Zwar kostet die Planung eine Pauschale von 300-800 Euro, allerdings gibt es dafür eine gezielte individuelle Beratung und Planung, ergänzt durch moderne Technologien wie beispielsweise der Einsatz von Virtual Reality Brillen.
Im Projektverlauf kann sich der Kunde den Fortschritt im Betrieb anschauen oder online jederzeit einsehen. Am Ende bekommt der Kunde zur übermittelten Rechnung einen Gutschein sowie die Möglichkeit Feedback abzugeben und dadurch an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Diese kleinen Zusatzangebote erhöhen die Kundenzufriedenheit bei überschaubaren Kosten aus Sicht des Handwerksbetriebs.
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