„Frauen im Handwerk“: Ein Interview mit Nicole Ulsch
In diesem Artikel:
- Hallo Nicole, was sollte unsere Handwerker-Community über Dich wissen?
- Was waren die ausschlaggebenden Gründe im Handwerk zu arbeiten?
- Gehst Du einer Verbandstätigkeit nach bzw. bist Du neben Deiner hauptberuflichen Tätigkeit noch anderweitig im Handwerk aktiv?
- Welche Aufgaben bereiten Dir die größte Freude und was inspiriert und motiviert Dich tagtäglich aufs Neue?
- Wurdest Du in Deiner (bisherigen) Laufbahn mit Vorurteilen konfrontiert und falls ja, wie hast Du darauf reagiert?
- Welche Herausforderungen bringt der Handwerksberuf aus Deiner Sicht mit sich?
- Welchen Rat, welche Tipps hast Du für junge Mädchen und Frauen, die sich für das Handwerk interessieren?
- Wie siehst Du die Situation der Frauen im Handwerk: In welchen Bereichen besteht zum Beispiel Nachholbedarf?
- Was hat sich Deiner Meinung nach während dem Beginn Deiner beruflichen Karriere bis heute verändert oder auch nicht verändert?
- Wie können junge Auszubildende dabei unterstützt werden, einen Handwerksberuf zu erlernen und auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein?
“Wie weiblich ist das Handwerk?”, haben wir in unserem letzten Blogbeitrag gefragt. Dabei lässt sich sagen: deutlich weiblicher als noch vor 20 Jahren. Grund genug einmal direkt bei einer Handwerkerin nachzufragen, die sich mit dem Thema bestens auskennt und ihre Erfahrung teilen kann.
Hallo Nicole, was sollte unsere Handwerker-Community über Dich wissen?
Ich habe 1996 die Meisterschule abgeschlossen. Dieser Abschluss war die logische Konsequenz nachdem ich mit Lehrzeitverkürzung und anschließender Begabtenförderung die Lehrzeit abgeschlossen hatte. Mir war von Anfang an klar, dass ich den Meisterbrief erwerben wollte, denn ein Leben lang auf der Baustelle zu arbeiten konnte ich mir als Frau schlicht nicht vorstellen. Dass das Malerhandwerk jedoch viel mehr zu bieten hat, als den Meistertitel zu erwerben und sich selbständig zu machen, hatte sich mir damals noch nicht erschlossen. Heute, gut 25 Jahre später, kann ich auf eine wenig lineare Laufbahn zurückschauen und ich bin noch lange nicht da, wo ich hin möchte…
In der Zwischenzeit, habe ich ein Werkzeugtaschen Gurtsystem während meiner Selbständigkeit in einer „One-Woman-Show“ entwickelt. Dieses ist patentiert und ich vertreibe es im eigenen Onlineshop. Mir ging in unserer Arbeitsweise, vor allem beim Tapezieren, das ewige Verlegen des Werkzeugs so auf die Nerven, dass ich mir Holstertaschen explizit fürs Tapezierwerkzeug genäht habe. Als ich bei jemandem damit arbeitete, verwies er mich an seinen Patentanwalt und so kam der Stein ins Rollen… Nach einigen Messeauftritten und der durchweg positiven Resonanz vieler Kunden war klar, es muss vertrieben werden. So ist das Gurtsystem PRACTICA CINGULIS heute eine echte Arbeitserleichterung für die, die sich darauf einlassen wollen…
Dadurch bin ich in Kontakt mit der Online-Welt gekommen, und dies öffnet einem natürlich die Augen noch mehr. Immer mehr Kontakte entstehen, neue Möglichkeiten des Lernens und auch des Arbeitens. Aktuell arbeite ich im Betrieb meines Lebensgefährten im Büro und auf den Baustellen. Wir haben unser Portfolio im Wesentlichen erweitert, machen viele Schulungen und ziehen so natürlich auch vermehrt die Kunden an, die wir haben wollen. Es ist eine nie endende Reise, fernab von der klassischen Art und Weise einen Malerbetrieb zu führen. Aber dazu vielleicht später mehr.
Was waren die ausschlaggebenden Gründe im Handwerk zu arbeiten?
Während meiner Schulzeit, einer 2-jährigen Berufsfachschule, Richtung Sozialpädagogik und Hauswirtschaft, war ich mit einer Freundin im Zuge eines „Tag der offenen Tür“ in den Werkstätten der Berufsschule unterwegs. Wir wollten uns einfach so umsehen ohne besonderes Interesse an den Berufen zu haben ;-) Die letzte Werkstatt, die wir uns anschauten, war die Malerwerkstatt. Ich kann Ihnen sagen…ich hatte diese Tür geöffnet: Das Erste was ich wahrgenommen hatte war der Geruch der Farbe, dann das Licht, die Atmosphäre in dieser Werkstatt. Was soll ich sagen, ich war schockverliebt! Ich hatte zuvor nichts mit dem Malerhandwerk zu tun, auch nichts mit anderen Handwerksberufen. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal was ich lernen wollte. Aber seit diesem Tag war alles anders. Das wollte ich lernen. Und so war meine Entscheidung gefallen, ohne zu wissen was mich erwarten sollte. Und es war nicht alles Zucker…
Ich hatte zuvor nichts mit dem Malerhandwerk zu tun, auch nichts mit anderen Handwerksberufen. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal was ich lernen wollte. Aber seit diesem Tag war alles anders. Das wollte ich lernen.
Gehst Du einer Verbandstätigkeit nach bzw. bist Du neben Deiner hauptberuflichen Tätigkeit noch anderweitig im Handwerk aktiv?
Nein, ich gehe keiner Verbandstätigkeit nach und ich denke auch nicht, dass ich das je werde. Das ist mir zu statisch, ohne jemandem dabei auf den Schlips treten zu wollen. Ich finde jeder sollte seinen Interessen nachgehen. Meine liegen einfach wo anders…
Welche Aufgaben bereiten Dir die größte Freude und was inspiriert und motiviert Dich tagtäglich aufs Neue?
Ich bin ein unersättlicher Lerntyp: Ich muss mich ständig mit Neuem füttern. Das macht es auch nicht immer einfach ;-). Und im Malerhandwerk lässt sich so unsagbar vieles dazulernen. Ich habe so viele Schulungen besucht, was kreative Techniken betrifft, neue Materialien kennengelernt und auch angefangen selbst Schulungen zu geben. Dies erfüllt mich schon sehr. Zum Beispiel war es eine echte Herausforderung fugenlose Bäder zu fertigen. Aber es ist geschafft und wir haben schon vielen Kunden zu so einem Badezimmer verholfen… was mich gerade sehr reizt, ist die Digitalisierung, sei es in der Baustellendokumentation, Zeiterfassung uvm.
Ich habe eine gewisse Internetaffinität an mir entdeckt und eine riesige Neugier in diesem Bereich. Vor allem das Marketing und die Möglichkeit Prozesse zu automatisieren reizt mich sehr. Im Moment absolviere ich noch eine „Ausbildung“ zur Business-Feng-Shui Beraterin, auch in Form eines Onlinekurses. Das war für mich auch nochmal sehr spannend. Denn einfach Farbtöne oder Techniken an die Wände zu zaubern war das Eine. Heute weiß ich WARUM gerade dieser oder jener Farbton an diese besagte Wand kommt. Heike Schauz, selbst Malermeisterin, bietet diese Kurse an. So wurde für mich die Malerei erst „rund“. Farbgestaltung betrachte ich heute aus einer ganz anderen Sicht, nämlich gänzlich aus Sicht der Bewohner der Wohnung oder des Hauses. Altes Baumeisterwissen und die daoistische Harmonielehre faszinieren mich. Und noch mehr die Auswirkungen auf die Bewohner, wenn die Wohnräume optimiert sind.
Wurdest Du in Deiner (bisherigen) Laufbahn mit Vorurteilen konfrontiert und falls ja, wie hast Du darauf reagiert?
Ja natürlich. So rieten mir meine Lehrerinnen in der 2-jährigen Berufsfachschule in der ich meine Mittlere Reife absolvierte davon ab. Eine war sogar völlig entsetzt wie ich mit einem Realschulabschluss und noch dazu als Frau in einen „solchen“ Handwerksberuf gehen wolle. Ich hörte mir das natürlich an, aber wenn ich mir vorstellte mein ganzes Leben in einem Büro oder als Krankenschwester zu verbringen, zog sich alles in mir zusammen. Und das bedeutete für mich ein großes NEIN! Ich wusste nicht was auf mich zukommen sollte, aber das was meine Schulkameradinnen anstrebten war für mich überhaupt nicht in Erwägung zu ziehen.
Welche Herausforderungen bringt der Handwerksberuf aus Deiner Sicht mit sich?
Das Handwerk ist sehr vielschichtig: Das Erlernen der theoretischen und praktischen Inhalte ist die Basis von allem. Ich denke heute ist die Herausforderung ganz klar, sich auf die Digitalisierung einzulassen und zwar voll und ganz. Ich denke schon in 10 Jahren werden die, die Nase vorn haben, die ihre Interessenten und Kunden im Netz bedienen und bewerben.
Die klassische Zeitungsannonce wird ausgedient haben. Die heutigen Jugendlichen und somit Kunden von morgen holen sich ihre Infos gänzlich aus dem Netz. Wer da nicht vertreten ist, wird schlicht überrollt werden. Ich denke für Betriebe ist dies momentan die größte Herausforderung. Sich bewusst zu machen, dass der Wandel auch im Handwerk Einzug hält und auch da mit zu gehen, sehe ich für viele als ein Problem. „Wie geht das? Was muss ich da machen? Ich brauche das doch gar nicht….“ Höre ich so oft.
Das Handwerk ist sehr vielschichtig: Das Erlernen der theoretischen und praktischen Inhalte ist die Basis von allem. Ich denke heute ist die Herausforderung ganz klar, sich auf die Digitalisierung einzulassen und zwar voll und ganz.
Welchen Rat, welche Tipps hast Du für junge Mädchen und Frauen, die sich für das Handwerk interessieren?
Traut Euch!!! Das ist mein Appell an die jungen Mädchen und Frauen. Sucht euch Betriebe die gut aufgestellt sind: Modern arbeiten, gute Websiteauftritte haben, Fortbildungen anbieten. Schaut ob sie bei Facebook und Instagram vertreten sind…. Das sind die Betriebe der Zukunft. Da könnt ihr mitwirken, etwas lernen.
Wie siehst Du die Situation der Frauen im Handwerk: In welchen Bereichen besteht zum Beispiel Nachholbedarf?
Ich denke die Frauen sind schon lange angekommen und auch akzeptiert im Handwerk. Natürlich müssen sie auch dementsprechend Leistung bringen. Frau sein alleine reicht da nicht. Aber ich denke wir sind da auf einem sehr guten Weg. Das Handwerk ist offen dafür. Das finde ich sehr schön.
Was hat sich Deiner Meinung nach während dem Beginn Deiner beruflichen Karriere bis heute verändert oder auch nicht verändert?
Es hat sich schon einiges geändert. Heute sieht man viel mehr Frauen als damals. Gott sei Dank hat sich auch seit einigen Jahren etwas in der Entwicklung der Materialien getan. Der Digitaldruck hat eine Renaissance der Tapete bewirkt. Neue Materialien im dekorativen Bereich erleichtern die Ausführung dieser. Die schon erwähnte Digitalisierung gab es damals überhaupt nicht. Neue Fassadenbeschichtungen die Oberflächen schneller trocknen lassen, um Schimmel und Algenbefall vorzubeugen…. die Liste ist schier unerschöpflich. Aber ich denke im Miteinander in den Betrieben kann noch einiges zum Positiven verändert werden. Schon früher war es oft so, dass lieber getadelt als gelobt wurde. Auch da wünsche ich mir noch eine große Veränderung hin zum Positiven. Das würde auch die Jugendlichen wieder mehr ins Handwerk bringen.
Wie können junge Auszubildende dabei unterstützt werden, einen Handwerksberuf zu erlernen und auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein?
Das ist im Moment ein großer Knackpunkt. Sie brauchen sich dazu nur mal die Zahl der neuen Azubis anschauen. Erschreckend!!! Da das Rezept dafür zu haben wäre die Revolution und das Retten des Handwerks. Und ich sag Ihnen was, ich habe das Rezept nicht. Ich kann nur dazu sagen, das Handwerk bietet unsagbar viele Möglichkeiten. Man muss sich darauf einlassen. Es ist nicht einfach, aber interessant. Ich glaube auch heute noch, dass das Handwerk „Goldenen Boden“ hat.
Vielen Dank für das Interview Nicole!
Weitere Informationen zu Nicole Ulsch und Ihrer Arbeit findet Ihr hier:
https://werkzeugtaschen-gurtsystem.de/
Wie nachhaltige Kunden ticken und sich das Kaufverhalten durch Corona verändert
In diesem Artikel:
Für Handwerksunternehmen ist es wichtig zu wissen, wie ihre Kunden ticken und auf was sie Wert legen. Dabei hilft nun eine aktuelle Studie von der Gesellschaft für Konsumforschung (kurz: GfK). Im Mittelpunkt steht dabei das Thema Nachhaltigkeit zu dem 30.000 Befragte aus 30 Ländern – unter anderem auch Deutschland – ihre Einstellung offenbarten. Aus den Antworten ging hervor, dass Nachhaltigkeit bei der Kaufentscheidung immer wichtiger wird. Außerdem konnte das Institut fünf Konsumententypen ableiten, welche für Betriebe interessant sind, um potenzielle Kunden abzuholen. Gerade, da die Corona-Pandemie die Lage für einige Betriebe (Mehr zu steigenden Preisen für Baumaterial) und die Zusammenarbeit mit ihren Kunden gehörig verändert hat.
Deshalb erfährst Du im Folgenden:
Welche die 5 nachhaltigen Konsumententypen sind
Was hinter den Begriffen der Typen steckt und wie du sie ansprichst
Wie sich das Konsumverhalten durch Corona verändert hat
Die Kunden von morgen setzen auf Nachhaltigkeit. Das ist schon seit Längerem bekannt, doch nun zeigt die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, wie genau sich die Käufer in ihrem Verhalten und ihrer Einstellung unterscheiden. Hierbei wurden bei der GfK Consumer Life Studie im Abschnitt “Green Gauge” Konsumenten zur Bedeutung von Nachhaltigkeit in Sachen Verkaufsverhalten in den Jahren 2010 und 2020 befragt und deren Antworten miteinander verglichen. Demnach ist “Grün zu denken und zu kaufen, mehr als nur eine Einstellung, denn es steht heute für eine Art Status“.
Dabei sind folgende Konsumententypen herausgestellt worden: Green in Deed, Glamour Greens, Carbon Cultured, Green in Need, Jaded.
Doch was genau steckt hinter diesen Begriffen?
Green in Deed
Das bedeutet so viel wie grün bzw. nachhaltig im Handeln und Denken. Kundentypen von der Kategorie sind nicht nur sehr achtsam beim Thema Nachhaltigkeit, sondern setzen sich auch aktiv dafür ein. Meist legen sie darauf Wert, dass nicht nur ein Teil des Produktes oder der Dienstleistung umweltschonend ist, sondern so viel wie möglich. Das kann beispielsweise die Herstellung, den Betrieb als ganzen oder die Müllentsorgung mit einbeziehen. 23 % der Befragten gaben an, sich zu diesem Konsumententyp zu zählen.
Glamour Greens
Wie der Name schon andeutet, ist diese Käufergruppe mehr schein als sein. Der nachhaltige Kauf wird vornehmlich als eine Art Statussymbol angesehen. Denn umweltschonend zu konsumieren liegt genau im Trend. Um diese potenziellen Kunden anzuziehen, muss das gekaufte Produkt auch so gut wie möglich nach außen wirksam sein. Ein gezielter Social Media Auftritt kann hier helfen. Die Glamour Greens machen tatsächlich auch den größten Teil der Befragten mit 30 % aus.
Carbon Cultured
Dieser Konsumententyp ist noch nicht ganz vom Kauf und dem nachhaltigen Lebensstil überzeugt. Sie wissen allerdings über die Bedeutung vom Thema Nachhaltigkeit in der Gesellschaft Bescheid, sind jedoch mit einem anderen Lebensstil aufgewachsen. So sieht auch das Verhalten der Käufergruppe aus. Demnach ist hier ein wenig Überzeugungsarbeit nötig, bei der die Vorteile herausgestellt werden.
Green in Need
Im Gegensatz dazu findet diese Zielgruppe den umweltschonenden Lebensstil mit dem dazugehörigen Konsum überzeugend. Jedoch wissen sie bisher zu wenig darüber. So sind sie demnach offen für gezieltes Marketing in dem Bereich.
Jaded
Alle Befragten, die zu dieser Gruppe gehören, sehen dem Thema Nachhaltigkeit eher skeptisch entgegen. Jedoch gibt es finanzielle Mehrwerte, die sie dennoch dafür begeistern können. Beispielsweise wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung besonders langlebig ist oder sich um die Reparatur von bestehenden Dingen dreht. So lässt sich zum Beispiel Geld oder im weiterem Sinne Energie sparen. Genau an diesem Punkt setzen Unternehmen bei diesem Konsumententyp den Fokus auf finanzielle Mehrwerte, um Überzeugungsarbeit für ihre Produkte zu leisten.
Wer weiß, auf was seine Kunden Wert legen, wird wettbewerbsfähig bleiben
Während sich die junge Generation zwar öffentlich am meisten um das Thema Umweltschutz sorgt, ist es die ältere Generation, die mehr Kapital besitzt und laut der Studie auch gewillt ist zu verzichten bzw. beim Kauf auf Nachhaltigkeit zu achten. So sind 73 % motiviert Zuhause Energie zu sparen, während 36 % den Faktor Umweltschutz bei ihrer Kaufentscheidung mit einbeziehen. Dazu erwarten ebenfalls 73 % der Befragten von Unternehmen umweltschonend und nachhaltig zu handeln. Ein interessanter Punkt, da das Handwerk jeden Tag nachhaltiger handelt, als es den meisten Menschen bewusst ist. Hier gilt es für Handwerksbetriebe darauf aufmerksam zu machen und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.
Dieser ist gerade deshalb wichtig, da sich nicht nur die Anforderungen an Handwerksbetriebe durch die Corona-Maßnahmen verändert haben, sondern auch das Kaufverhalten der Menschen.
Wie sich das Kaufverhalten durch Corona verändert hat
Einblicke in die sogenannten Konsumtrends gibt hier das Zukunftsinstitut Frankfurt am Main mit ihrem Team aus Handelsexperten. Laut des Institutes hat sich während der Zeit des Lockdowns das verändert, was “richtig Leben” heißt. Daraus leiten die Experten vier Trends ab, bei denen es sich auch für Handwerksbetriebe lohnen kann, diese bei der Kundengewinnung im Hinterkopf zu behalten. Zentral sind hierbei Bedeutung und Resonanz beim Kauf des Angebotenen.
Bewusster Konsum
Es zählt nicht mehr die bloße Fülle an Konsumgütern, sondern deren Bedeutung, Vorteile und wie sie in der Gesellschaft ankommen.
Kooperation von Unternehmen
Gerade die Krise hat gezeigt, wie Unternehmen durch “Click und Collect” Partnerschaften zusammenarbeiten können, um ihren Kunden dennoch etwas anbieten zu können. Warum also nicht gewerkeübergreifend zusammenarbeiten? Für die Zukunftsforscher sind Kooperation und Teamwork ein wichtiger Überlebensfaktor, der auch bei Konsumenten gut ankommt.
Digitale Technik ist angesagt
Durch die Kontaktbeschränkungen sind viele persönliche Beratungs- und Kaufgespräche ins Digitale verlagert worden. Zudem ist der Internetauftritt von Betrieben mehr in den Fokus gerückt, bei dem Online-Tools zur Kundenakquise oder für die Geschäftsabwicklung eine wichtige Rolle spielen. Damit hat sich der Service, auf den Kunden auch jetzt nicht mehr verzichten wollen, erweitert. Wenngleich das persönliche Gespräch auf der Baustelle oder im Laden nach wie vor essenziell ist. Wer mehr zum Thema wissen möchte, schaut hier vorbei.
Vertrauen in Unternehmenswerte
In Zeiten der Krise setzt sich der Trend fort, dass Konsumenten bei der Kaufentscheidung die verkörperten Werte eines Unternehmens einbeziehen. Ein Beispiel hierfür ist der Faktor Nachhaltigkeit. Wird das auch richtig kommuniziert und letztendlich auch gelebt, ist das ein Erfolgsfaktor für die Zukunft.
Unser Fazit
Wer die Hinweise der GfK sowie des Zukunftsinstitutes beachtet, weiß besser Bescheid, wie seine zukünftigen Kunden ticken und an welchen Stellen zur Kundenakquise angesetzt werden kann. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass immer mehr Konsumenten zu den nachhaltigen Typen zählen. Daneben hat sich das Kaufverhalten durch die Pandemie durch digitale Aspekte und bewussteres Konsumieren verändert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass immer mehr Konsumenten zu den nachhaltigen Typen zählen.
Zu beachten gilt es jedoch, dass die Konsumententypen nur ein Beispiel unter vielen für die Unterteilung von nachhaltigen Kunden darstellen. Außerdem sollten Handwerksbetriebe darauf achten, wenn sie gezielt mit Nachhaltigkeit werben, auch wirklich Nachhaltiges dahintersteckt. Sonst steht schnell der Ruf auf dem Spiel. Jedoch hat das Handwerk jetzt schon viele nachhaltige Aspekte aus dem Arbeitsalltag, die gelebt werden. Weitere Informationen zum Thema Nachhaltigkeit findest Du in diesem Blogartikel.
Scoring und Rating verstehen und optimieren
Was Du in dieser Lektion lernen wirst:
- Was Scoring und Rating der Bonität von Betrieben bedeutet
- Welche Möglichkeiten haben Betriebe im Bereich Scoring und Rating
- Was passiert wenn ein Betrieb schlechte Bewertungen hat
- Wie es gelingt die eigene Bonität des Betriebs zu optimieren und vor negativen Einflüssen aus der Branche zu schützen
- Welche Faktoren ein Bankenrating beeinflussen
Banken tun es und Lieferanten auch. Gemeint ist das Scoring und Rating der Bonität von Unternehmen und ganzen Branchen. Wichtig werden diese Werte für Handwerksunternehmen beispielsweise bei der Vergabe von Krediten oder bei der Materialbestellung von Zwischenlieferanten. Je besser die Scoring- und Rating-Werte, desto höher ist die Erfolgschance. Doch wie funktioniert dieses System, was muss ein Handwerksunternehmer dazu wissen, welche Rolle spielt die Pandemie dabei und wie lassen sich die Werte optimieren? Unsere Experten setzen genau da an: Zum einen Hans-Peter Trimborn, Senior Produktspezialist bei der Deutschen Verrechnungsstelle GmbH in Frankfurt am Main. Und zum anderen Marion Kenklies, Juristin für das Handwerk mit Spezialisierung auf Unternehmensrecht.
Was Scoring und Rating der Bonität von Betrieben bedeutet
Das Scoring oder Rating-Verfahren wird beispielsweise von Banken, Unternehmen oder Versicherungen zur Einschätzung von Kunden benutzt. Zum einen für die Zahlungsfähigkeit (Bonität) der Kunden und zum anderen zur Risikoerwartung eines Zahlungsausfalls. Genau gesagt fließen beim Scoring persönliche wie auch wirtschaftliche Faktoren vom Kunden mit ein. Das wären bei Betrieben beispielsweise die Art der Betriebsführung sowie Bilanzen. Der Score am Ende der Analyse beeinflusst zum Beispiel die Konditionen der Materiallieferung und die Höhe des angestrebten Bankkredits. Dabei wird das Scoring zur Risikoeinschätzung häufig nicht nur von Banken, sondern auch von Unternehmen verwendet, wohingegen das Rating eher ausschließlich bei Banken zum Einsatz kommt. Durchgeführt werden die Analysen meist von Wirtschaftsauskunfteien.
Für Betriebe sind also gute Ratings und Scores wichtig, um die bestmöglichen Konditionen bei Krediten oder Materialzulieferern zu bekommen. Denn gibt es nicht genügend Daten über Unternehmen, greifen die Analysten auf ganze Branchenmittelwerte zurück. Steht die ganze Branche momentan etwas schlechter da, kann es das Potenzial des einzelnen Betriebes unterminieren.
Welche Möglichkeiten haben Betriebe im Bereich Scoring und Rating
Hier raten die Experten dazu, sich eine Übersicht über den eigenen Betrieb direkt bei den Wirtschaftsauskunfteien anzufordern. Beispielsweise bei “CrifBrügel” und “Creditreform”, die wie “Datenkraken” Daten über Branchen und Unternehmen sammeln. Danach lässt sich abschätzen, wie die drei wichtigsten Parteien beim Bewertungssystem – Banken, Zulieferer und Kunden – den eigenen Betrieb und deren Branche einschätzen. Anschließend kann in Gesprächen mit den Auskunfteien erfragt werden, was für Daten benötigt werden oder was getan werden kann, um die Bewertung zu verbessern.
Läuft in der Hinsicht alles reibungslos, können sich Handwerksbetriebe von der Branche abheben. Gerade in Zeiten von wackeligen Finanzanlagen durch die Corona-Pandemie oder knappen Materialien bei Zulieferern ist eine gute Bewertung Gold wert.
Was passiert wenn ein Betrieb schlechte Bewertungen hat
Experte Trimborn mahnt an der Stelle vor dramatischen Folgen: zum Beispiel schlechtere Preisangebote oder verzögerte Bestellungen bei Lieferanten, da andere Unternehmen bevorzugt werden. Im schlimmsten Fall verlangen Lieferanten bei künftigen Bestellungen Zahlungen per Vorkasse, da ihnen das Risiko eines Zahlungsausfalls zu hoch ist. Lieferfirmen würden es selten zugeben, solche Bewertungslisten zu führen, allerdings kommt heutzutage kein Großhändler und Betrieb um solche Ratings und Scores herum. Wichtig zu wissen: die Auskunfteien bewerten in jedem Fall die Branche – auch wenn das Unternehmen keine eigenen Informationen liefert.
Wie es gelingt die eigene Bonität des Betriebs zu optimieren und vor negativen Einflüssen aus der Branche zu schützen
Laut unserer beiden Experten ist es ratsam, mit dem verbesserten Rating von der Auskunftei plus den aktuellen Geschäftszahlen zu seinem Kreditgeber, seiner Hausbank zu gehen. Denn die Bank macht einmal im Jahr ebenfalls ein eigenes Rating. Die Grundlage ist immer einer der beiden Wirtschaftsauskunfteien. Möchte eine Handwerksfirma einen ersten Kredit aufnehmen, geht das meist problemlos, aber bei einem zweiten Kredit wollen die Banken meist immer mehr Auskunft über die Betriebssituation.
Gibt es Zahlungsprobleme, werden meist die Bewertungen der Auskunfteien hinzugezogen. Heute ist der Gang zur Bank oft der Pandemielage geschuldet, da finanzielle Reserven weggeschmolzen sind. Dazu gibt es im Handwerk momentan kein Problem mit der Auftragslage, sondern mit der Materialbeschaffung, um Aufträge fertigzustellen. Ein gut aufgestelltes Unternehmen weiß – laut Trimborn – über ihre Bewertung Bescheid, hat diese verbessert und weiß, was in dem Moment zu tun ist.
Welche Faktoren ein Bankenrating beeinflussenWelche Faktoren ein Bankenrating beeinflussen
Zum einen sind dies quantitative Faktoren: Bei einer GmbH wäre das zum Beispiel das Verhältnis Stammkapital zur Bilanzsumme. Ein Viertel der Bilanzsumme sollte mindestens haftendes Eigenkapital sein. Wächst das Unternehmen und mit den Investitionen steigt die Verschuldung, sollte das Eigenkapital auch entsprechend erhöht werden. Die Erhöhung der Verschuldung ohne Anhebung des haftenden Eigenkapitals kann das Rating deutlich verschlechtern – ohne, dass das Unternehmen das sofort bemerkt. Hans-Peter Trimborn empfiehlt an dieser Stelle eine Besprechung mit dem Steuerberater.
Desweiteren kommen in das Bankrating qualitative Faktoren hinzu: Dazu zählt unter anderem alles, was mit der Unternehmerpersönlichkeit zu tun hat. Wie wird das Unternehmen geführt, wie sichert der Unternehmer sich ab, was tut er für die Weiterbildung seiner Mitarbeiter. Dabei sollte unbedingt auf die vollen Kompetenzen der Mitarbeiter eingegangen werden. Ein Meister hat zum Beispiel zusätzlich eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, was vielleicht der Banker gar nicht weiß, da er kein detailliertes Wissen über den Ausbildungsweg hat. Darauf sollte hingewiesen werden. Alle Attribute, die den Betrieb ausmachen, werden so auf den Tisch gelegt. Bevor es in das Ratinggespräch mit den Banken geht, rät Trimborn unbedingt dazu, sich mit einer Fachkraft wie einem Steuerberater vorzubereiten.
Tipps der Experten
Aussicht auf Erfolg hat das Unternehmen? Gut vorbereitet auf solche Themen kann man die Auskunfteien und die Kreditgeber überzeugen, einen positiven Scorewert bzw. Rating zu vergeben. Dafür müssen Handwerksbetriebe sich allerdings aktiv mit Scoregebern auseinandersetzen. Das ist gerade in diesem Jahr wichtig, da die Branchen wahrscheinlich durch die Folgen der Pandemie in den Bewertungen neu bewertet und ggfs. abgestuft werden.
Links:
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